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Friedenspreis 1956

Reinhold Schneider

Der Stiftungsrat für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels wählt den Schrifsteller Reinhold Schneider zum Träger des Friedenspreises 1956. Die Verleihung findet während der Frankfurter Buchmesse am Sonntag, 23. September 1956, in der Paulskirche in Frankfurt am Main statt. Die Laudatio hält Werner Bergengruen.

Begründung der Jury

Reinhold Schneider, dem Dichter und Gelehrten, Künder und Mahner, der in seiner Deutung abendländischer Geschichte und Schicksale um eine neue sittliche Ordnung der Welt ringt und im Leben des Einzelnen wie dem der Völker aus seiner christlichen Haltung das Gewissen anruft, verleiht der Buchhandel in Deutschland für das Beispiel seines Lebens und seines Werkes den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Preisverleihung

Reden

Unabdingbar sieht Reinhold Schneider den Menschen in der Bestimmung, Gottes Wesen gewissermaßen stellvertretend nach Christi Vorbild in der Welt zu verwirklichen.

Arthur Georgi - Grußwort

Es erschafft einen Raum, in den die Friedlosigkeit nicht zu dringen vermochte, und diesen Raum hat er in den Jahren der Tyrannei, des Blutvergießens und Mordens allen denen offengehalten, die sich ihm vertrauten.

Werner Bergengruen - Laudatio auf Reinhold Schneider
Werner Bergengruen
Laudatio

Es könnte eine Gnade sein, daß uns Deutschen, uns allein, die nationale Geschichte in Scherben vor den Füßen liegt: vielleicht sollen wir anfangen in der Richtung auf einen neuen Gedanken, in der Richtung auf das Leben der Welt.

Reinhold Schneider - Dankesrede
Reinhold Schneider
Dankesrede des Preisträgers

Chronik des Jahres 1956

+ + + Die Volkskammer der DDR beschließt Anfang des Jahres 1956 die Schaffung der Nationalen Volksarmee. Auf dem XX. Parteitag der KPdSU enthüllt Parteichef Chruschtschow die von Josef W. Stalin begangenen Verbrechen. Walter Ulbricht erklärt im März, »Stalin ist kein Klassiker des Marxismus«. + + + Vertreter der USA und der Bundesrepublik unterzeichnen am 18. Februar ein Abkommen über die friedliche Nutzung der Atomenergie. + + +


+ + + Im April nimmt der Bundesnachrichtendienst (BND) offiziell seine Tätigkeit auf. + + + Am 7. Juli verabschiedet der Bundestag das Wehrpflichtgesetz. Damit wird die künftige Bundeswehr eine Wehrpflichtarmee. Außerdem wird ein ziviler Ersatzdienst für Kriegsdienstverweigerer eingerichtet. + + + Ein Arbeiteraufstand in der polnischen Stadt Posen wird Ende Juni durch Armee Einheiten niedergeschlagen. Nach offiziellen Angaben kommen dabei 53 Menschen ums Leben, rund 300 werden verletzt. + + + Mit einer Studentendemonstration beginnt im Oktober der Volksaufstand in Ungarn. Als sich auch die Arbeiter dem Protest anschließen, greift, wie drei Jahre zuvor in Ost-Berlin, die Sowjetarmee ein. Anfang November wird der »Ungarische Volksaufstand« durch ihre Truppen und Panzer blutig niedergeschlagen. Hunderte von Ungarn werden hingerichtet, viele Tausende verhaftet, und fast 200 000 Menschen fliehen in den Westen. + + + Israelische Streitkräfte greifen Ende Oktober Ägypten an und besetzen innerhalb kürzester Zeit die gesamte Sinai-Halbinsel. Sie reagieren damit auf die ägyptische Verstaatlichung des Suezkanals. Auf Druck der USA und der UdSSR wird der Konflikt im November beigelegt. + + +

Biographie Reinhold Schneider

Nach dem Abitur und einer kaufmännischen Ausbildung wagt es der am 13. Mai 1903 in Baden-Baden als Sohn eines Hoteliers geborene Reinhold Schneider 1928, freier Schriftsteller zu werden. Seine geschichtsphilosophischen Werke, zum Beispiel über den spanischen König Philipp ii., die Hohenzollern, das britische Inselreich und Kaiser Lothar, umkreisen das Verhältnis von Religion und Macht, von Geschichte und menschlicher Existenz, das sich Schneider nicht anders als tragisch vorzustellen vermag.


Die während des Zweiten Weltkrieges verfassten Widerstandsschriften (Essays, Betrachtungen, Gedichte) werden teilweise auf illegalem Wege veröffentlicht, abgeschrieben, vervielfältigt und von Hand zu Hand gereicht. Sein Buch Las Casas vor Karl v. (1938) gilt bis heute als ein mutiger und öffentlicher Protest gegen die nationalsozialistische Verfolgung der Juden. Als Schneider im Jahr 1945 wegen Hochverrats und »Defätismus« angeklagt wird, bewahren ihn das Ende des Krieges und der Zusammenbruch des nationalsozialistischen Regimes vor einer Verurteilung.

In der Zeit des Kalten Krieges bringt ihn sein in Ost und West ansetzendes radikalpazifistisches Engagement in Konflikt mit tonangebenden politischen Kreisen in der Bundesrepublik. 1954 gibt er zusammen mit Helmut Gollwitzer und Käthe Kuhn Abschiedsbriefe und Aufzeichnungen des Widerstands 1933–45 unter dem Titel "Du hast mich heimgesucht bei Nacht" heraus.

Reinhold Schneider stirbt am 6. April 1958 im Alter von 54 Jahren.

Auszeichnungen

1956 Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
1948 Gedenkpreis der Badischen Landesregierung

 

Bibliographie

Der grosse Verzicht

1950

Spiel vom Menschen

1949

Belsazar

1949

Der Kronprinz

1948

Aar mit gebrochener Schwinge

1948

Mehr anzeigen

Schwermut u. Zuversicht

1948

Worte der Besinnung. Aus dem Werk

1948

Erworbenes Erbe. Zum Gedächtnis der Droste

1948

Der Mensch und das Leid in der griechischen Tragödie

1947

Macht und Gewissen in Shakespeares Tragödie

1947

Herz am Erdsaume

1947

Die neuen Türme

1946

Fausts Rettung

1946

Die Heimkehr des deutschen Geistes

1946

Die neue Ehre

1946

Kleists Ende

1946

Von der Würde des Menschen. Essays

1945

Der Dichter vor der Geschichte

1943

Der Überwinder

1942

Der Abschied von Frau Chantal

1942

Die dunkle Nacht

1941

Das Vaterunser. Nach dem Grossen Krieg

1941

Macht u. Gnade

1940

Theresia von Spanien

1939

Das Erbe im Feuer

1939

Auf Wegen deutscher Geschichte

1939

Las Casas vor Karl V., Szene aus der Konquistadorenzeit

1938

Das Inselreich, Gesetz und Grösse der britischen Macht

1936

Die Hohenzollern

1933

Philipp II.

1931

Portugal, Ein Reisetagebuch

1931

Das Leiden des Camöes oder Untergang und Vollendung der portugiesischen Macht

1930

Laudator Werner Bergengruen

Werner Bergengruen, geboren am 16. September 1892 in Riga, studierte in Marburg und München Theologie, Germanistik und Kunstgeschichte. Im Ersten Weltkrieg war er als Leutnant im Baltikum im Einsatz und kämpfte dort nach dem Krieg weiter gegen die Rote Armee.


1920 wurde er Journalist, 1922 erschien sein erster Roman »Das Gesetz des Atum«. Fortan lebte er als freier Schriftsteller in München und in Berlin. National-konservativ eingestellt, doch zugleich christlich-humanistisch geprägt nahm er Abstand von der ab 1933 herrschenden Ideologie der Nationalsozialisten. Auch wenn 1935 noch sein erfolgreichster Roman »Der Großtyrann und das Gericht« veröffentlicht wurde, wurde er 1937 aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen, da man ihn nicht für geeignet hielt, am Aufbau einer deutschen Kultur schriftstellerisch mitzuwirken, durfte aber als populärer Schriftsteller mit einer Sondergenehmigung weiter veröffentlichen.

In der Nachkriegszeit sah er sich zwar einigen kritischen Äußerungen ausgesetzt, die ihn wegen seiner passiven Haltung während der Nazi-Zeit vorwarfen, verdrängen zu wollen, gleichzeitig war er einer der beliebtesten und meistgelesenen Schriftsteller jener Zeit und wurde mit zahlreichen Ehrungen ausgezeichnet. Werner Bergengruen verstarb am 4 September 1964 in Baden-Baden.