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Friedenspreis 1961

Sarvepalli Radhakrishnan

Der Stiftungsrat für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels wählt den indischen Religionsphilosophen Sarvepalli Radhakrishnan zum Träger des Friedenspreises 1961. Die Verleihung findet während der Frankfurter Buchmesse am Sonntag, 22. Oktober 1961, in der Paulskirche zu Frankfurt statt. Ernst Benz hält die Laudatio.

Begründung der Jury

Der Religionsphilosoph und Staatsmann Sarvepalli Radharkrishnan hat in seinem literarischen Werk eine tiefgründige Deutung östlichen und westlichen Wesens gegeben und damit einen Weg zur Völkerverständigung geschaffen.

Als Politiker hat er seine Erkenntnis "Friede ist die Krone der Selbstüberwindung, der Demut, der Umkehr und der Hingabe, und nicht die Krone der Gewalt und der Eroberung" furchtlos vor aller Welt vertreten. Durch die Verleihung des Friedenspreises ehren wir seine freiheitliche Gesinnung und danken ihm für sein Lebenswerk.

Preisverleihung

Reden

Wir Deutschen, die wir in unserem Jahrhundert zum zweiten Mal den Versuch unternahmen, freiheitliches demokratisches Denken in unserem Bewußtsein zu verankern, müssen den Trägern des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels stets dankbar sein und werden ihnen unsere Verehrung nie versagen.

Werner Dodeshöner - Grußwort
Werner Dodeshöner
Grußwort des Vorstehers

Indes haben Sie, Exzellenz, nicht nur religionspolitische Betrachtungen über die Befriedung der menschlichen Gesellschaft angestellt, Sie haben auch unerschrocken die politischen Folgerungen aus Ihren religionsphilosophischen Erkenntnissen gezogen.

Ernst Benz - Laudatio auf Sarvepalli Radhakrishnan
Ernst Benz
Laudatio

Heute sind alle Teile der menschlichen Rasse miteinander in Kontakt. Wenn wir in Frieden leben wollen, können wir nicht auf halbem Wege zur weiteren Vereinigung stehenbleiben.

Sarvepalli Radhakrishnan - Dankesrede
Sarvepalli Radhakrishnan
Dankesrede des Preisträgers

Chronik des Jahres 1961

+ + + Zu Beginn des Jahres 1961 kommt es zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Kuba und den USA. Im April scheitert eine vom CIA geplante Invasion von Exilkubanern in der Schweinebucht auf Kuba. Kuba reagiert mit einer stärkeren Anlehnung an die Sowjetunion. + + + Die Ersten Sekretäre der kommunistischen Parteien und Arbeiterparteien der Mitgliedsstaaten des Warschauer Paktes geben im August ihre unveröffentlichte Zustimmung zur Abriegelung der Fluchtwege nach West-Berlin, da allein bis zum September 1961 195 828 Menschen die DDR verlassen haben. + + +


+ + + Am 13. August beginnt die DDR unter dem Vorwand, sie müsse sich gegen die westlichen Aggressionen schützen, eine Mauer zu errichten. Am 16. August wird für alle Bewohner der DDR und Ost-Berlins die Grenze zur Bundesrepublik gesperrt. Drei Wochen später wird Ost-Berlin zur Hauptstadt der DDR erklärt. + + + Die neue Bundesregierung wird im November aus der Regierungskoalition von CDU, CSU und FDP gebildet. Erstmals in der Bundesrepublik übernimmt eine Frau einen Ministerposten: Elisabeth Schwarzhaupt wird Bundesministerin für Gesundheit. + + + Der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin startet am 12. April als erster Mensch ins Weltall. Drei Wochen später fliegt der US-Amerikaner Alan B. Shepard in den Weltraum. + + + Der im April begonnene Prozess gegen den ehemaligen SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann, den Organisator des Völkermords an den europäischen Juden, endet im Dezember in Jerusalem mit einem Todesurteil. + + +

Biographie Sarvepalli Radhakrishnan

Sarvepalli Radhakrishnan wird am 5. September 1888 in Tiruttani, Südindien, geboren. Er studiert Philosophie und promoviert an einem College in seiner Heimatstadt. Später lehrt er als Professor für Östliche Religionen und Ethik in Madras (Chennai), Mysore, Kalkutta (Kolkata) und Oxford.

Zwischen 1931 und 1939 ist Radhakrishnan eines der führenden Mitglieder des vom Völkerbund geförderten Internationalen Ausschusses für wissenschaftliche Zusammenarbeit. Von 1947 bis 1950 übernimmt er die Leitung der indischen Delegation bei der UNESCO, zu deren Präsident er später zweimal – 1952 und 1958 – gewählt wird.


1949 geht er als Botschafter seines Landes nach Moskau, drei Jahre später wird der enge Freund Mahatma Gandhis Vizepräsident Indiens. Sein Ziel ist es, Brücken zwischen dem Spiritualismus des Ostens und dem Rationalismus des Westens zu bauen. 1962, ein Jahr nach der Verleihung des Friedenspreises, wird er zum Präsidenten der Indischen Republik gewählt, ein Amt, das er bis 1967 innehat.

Sarvepalli Radhakrishnan stirbt am 16. April 1975 im Alter von 86 Jahren.

Auszeichnungen

1961 Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
1959 Goetheplakette der Stadt Frankfurt am Main
1954 Orden Pour le mérite für Wissenschaften und Künste
1954 erster Empfänger des Bharat Ratnas, des höchsten zivilen Verdienstordens Indiens
1931 Ritterschlag (Sir Sarvepalli Radhakrishnan)

 

Bibliographie

Meine Suche nach Wahrheit

1961

Brahma Sutra. The Philosophy of Spiritual Life

1960

East and West: Some Reflections

1955

Eastern Religions and Western Thought

1939

An Idealist View of Life

1932

The Philosophy of the Upanishads

1924

Indian Philosophy

2 Bände, 1923–1927

Laudator Ernst Benz

Ernst Benz, geboren am 17. November 1907 in Friedrichshagen, promovierte 1929 in Philosophie, bevor er in Berlin mit dem Studium der Theologie begann. 1931 wurde er in Halle habilitiert. Im Gegensatz zu zahlreichen Kollegen distanzierte sich Benz nicht von den Nationalsozialisten. Gleich 1933 wurde er Mitglied der SA und trat 1937 in die NSDAP ein. Während des Zweiten Weltkriegs diente er als Divisionspfarrer und übernahm 1946, nach einer einjährigen Kriegsgefangenschaft, die Direktorenstelle des Ökumenischen Seminars an der Universität Marburg.


Hier zeigte er sich als unkonventioneller Forscher, der sich abseits der klassischen Kirchengeschichte mit Themen vor allem zur Mystik und zur Kirche des Ostens befasste. Seine konservative Haltung zeigte sich in einem Engagement bei der Initiierung des sogenannten "Marburger Manifestes", mit dem Marburger Professoren sich 1968 gegen eine Mitbestimmung von Studenten und eine Demokratisierung des Hochschulen aussprachen.

Er verstarb am 29. Dezember 1978 in Meersburg im Alter von 71 Jahren.