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Friedenspreis 1966

Augustin Kardinal Bea und Willem A. Visser 't Hooft

Der Stiftungsrat für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels hat beschlossen, den Friedenspreis 1966 an zwei Persönlichkeiten zu verleihen, an die Theologen Augustin Kardinal Bea und Willem A. Visser't Hooft. Die Verleihung findet während der Frankfurter Buchmesse am Sonntag, 25. September 1966, in der Paulskirche zu Frankfurt am Main statt. Die Laudatio hält Paul Mikat.

Begründung der Jury

Der deutsche Buchhandel verleiht 1966 den Friedenspreis zwei Männern gemeinsam, Augustin Kardinal Bea und Willem A. Visser 'T Hooft.

Beide haben in vorbildlicher Gesinnung für den religiösen Frieden gewirkt, durch ihre theologischen Schriften und Reden den Dialog zwischen den Konfessionen vorbereitet und so entscheidend zu der sich anbahnenden Versöhnung der Christen beigetragen. Sie haben ihr Wirken für die Einheit im Glauben zugleich als einen Dienst am Frieden in der Welt verstanden und sind so, ein jeder auf seine Weise, zu Wegbereitern des Friedens unter den Menschen geworden.

Durch diese Ehrung sollen alle, die für einen auf gegenseitiger Achtung gegründeten Frieden zwischen Religionen, Weltanschauungen und Völkern eintreten, in ihren Bemühungen ermutigt werden.

Preisverleihung

Reden

In diesem Jahre hat der Stiftungsrat den Preis erstmalig zwei Persönlichkeiten zuerkannt, deren zu ehrende Leistung für die Menschheit in dem gemeinsamen Bemühen für den religiösen Frieden unter den Menschen gesehen wurde. Der Dialog zwischen den beiden großen christlichen Konfessionen steht im Mittelpunkt unserer Ehrung.

Friedrich Georgi - Grußwort
Friedrich Georgi
Grußwort des Vorstehers

Unsere Preisträger stehen unter einer anderen, den Raum menschlicher Planung überschreitenden Friedensverheißung und unter einem Glauben an die Einheit der Menschen, der mit Vereinheitlichung nichts zu tun hat.

Paul Mikat - Laudatio auf Augustin Kardinal Bea und Willem A. Visser 't Hooft
Paul Mikat
Laudatio

Wie oft haben Religionskriege den Frieden der Völker gestört und unsägliches Leid gebracht! Aber hinaus über die Förderung des Friedens zwischen den Religionen verlangt die Botschaft des Evangeliums direkt und ausdrücklich die Bemü-hung um den Frieden in der ‚Menschheit’ überhaupt.

Augustin Kardinal Bea - Dankesrede
Augustin Kardinal Bea
Dankesrede des Preisträgers

Und nun scheint mir, daß hier die eigentliche Bedeutung der ökumenischen Bewegung für den Weltfrieden liegt. Denn es geht in ihr nicht nur um das Zusammenleben oder Zusammenreden, es geht vor allem um das Zusammendienen. Es geht um die Wiederentdeckung der kosmischen Aufgabe des Gottesvolkes.

Willem A. Visser 't Hooft - Dankesrede
Willem A. Visser ‘t Hooft
Dankesrede

Chronik des Jahres 1966

+ + + In einer Erklärung unterstützt die Bundesregierung im Januar 1966 den Eintritt der USA in den Vietnam-Krieg. Die amerikanische Bombardierung Nordvietnams wird intensiviert, doch trotz des großflächigen Einsatzes von Napalmbomben und dem Entlaubungsmittel Agent Orange gelingt es den USA nicht, den Gegner militärisch zu besiegen. + + + Mao Tse-tung leitet im Mai in China die Große Proletarische Kulturrevolution ein. Sie kostet Hunderttausenden das Leben und gerät schließlich so außer Kontrolle, dass die Volksbefreiungsarmee gegen die Roten Garden eingesetzt werden muss. + + +


+ + + Frankreich führt am 2. Juli nach seinem Austritt aus der NATO den ersten Atomwaffenversuch auf dem Mururoa-Atoll im Südpazifik durch. + + + In Ost-Berlin wird im Juni der Film Spur der Steine mit Manfred Krug uraufgeführt. Kurz nach der Premiere wird der Film aus den Kinos genommen und erst 1990 wiederaufgeführt. + + + Der frühere NS-Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion Albert Speer und der frühere NS-Reichsjugendführer Baldur von Schirach werden im Oktober nach zwanzigjähriger Haft aus dem Gefängnis Spandau entlassen. + + + In Frankfurt demonstrieren rund 20 000 Menschen gegen die von der Bundesregierung geplanten Notstandsgesetze. Bei den Landtagswahlen in Hessen erreicht die rechtsextreme NPD im November 7,9 Prozent der Stimmen und zieht damit erstmals in ein Landesparlament ein. + + + Nach dem Scheitern der Koalitionsverhandlungen tritt Bundeskanzler Erhard von seinem Amt zurück. Kurt Georg Kiesinger wird am 1. Dezember zum Bundeskanzler einer Großen Koalition aus Union und SPD gewählt. Vizekanzler und Außenminister wird Willy Brandt. + + +

Biographie Augustin Kardinal Bea

Der am 25. Mai 1881 in Riedböhringen (bei Donaueschingen) geborene Kurienkardinal der römisch-katholischen Kirche tritt 1902 in die Gesellschaft Jesu ein und wird 1912 zum Priester geweiht.

1923 erhält er eine Professur am päpstlichen Bibelinstitut in Rom und wird 1959 vom Papst zum Kurienkardinal erhoben. Ein Jahr später wird er mit der Leitung des Sekretariats für die Einheit der Christen betraut. Die Arbeit Augustin Kardinal Beas als Leiter des Sekretariats für die Einheit der Christen ist es vor allem zu danken, dass die Begegnung der Konzilsväter mit den nichtkatholischen Beobachtern zustande kommt, der Dialog zwischen beiden in Gang gehalten und die ökumenische Öffnung des Konzils bewirkt wird.

Augustin Kardinal Bea stirbt am 16. November 1968 im Alter von 87 Jahren.

Auszeichnungen

1967 Preis für Human Relations der Society for Family of man
1966 Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
1965 Internationaler Preis für die Brüderlichkeit der Fellowship Commission 
1960 Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
1954 Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

Bibliographie

Der Ökumenismus im Konzil – Öffentliche Etappen eines überraschenden Weges

Freiburg i. Brsg. 1969

Die Kirche und die Menschheit

Freiburg i. Brsg. 1967

Der Weg zur Einheit nach dem Konzil

Freiburg i. Brsg. 1966

Die Kirche und das jüdische Volk

Freiburg i. Brsg. 1966

Von Christus erfaßt

Meitingen/ Freising 1966

Die Einheit der Christen, Probleme und Prinzipien, Hinweise und Mittel, Verwirklichungen und Aussichten

Freiburg i. Brsg. 1963

Die neue lateinische Psalmenübersetzung. Ihr werden und ihr Geist

Freiburg i. Brsg. 1949

Biographie Willem A. Visser 't Hooft

Der am 20. September 1900 im niederländischen Haarlem geborene Willem A. Visser ’t Hooft gehört zu den Gründern der ökumenischen Bewegung.

Sein Engagement für die Bewegung beginnt er 1924 als Sekretär des Weltbundes des CVJM. 1938 wird er Generalsekretär des neu gegründeten Ökumenischen Rates der Kirchen. Bis 1966 ist er Generalsekretär des Rates, dem protestantische, anglikanische und orthodoxe Kirchen aus allen Teilen der Welt angehören, und bemüht sich sowohl innerhalb der Bewegung als auch in internationalen politischen Konflikten um Schlichtung und Vermittlung.

Willem A. Visser’t Hooft stirbt am 4. Juli 1985 im Alter von 84 Jahren.

Auszeichnungen

1982 Four Freedoms Award
1975 Augustin-Bea-Preis
1966 Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
1958 Großes Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband

Bibliographie

The Genesis and Formation of the World Council of Churches

1982

The Fatherhood of God in an Age of Emancipation

1982

Die Welt war meine Gemeinde

1972

Peace among Christians

1967

Mehr anzeigen

No other Name

1963

The Pressuse of our Common Calling

1959

Erneuerung der Kirche

1956

Rembrandts Weg zum Evangelium

1955

Die ökumenische Bewegung und das Rassenproblem

1954

Die Bedeutung der Ökumene

1953

La Renovacion de la Iglesia

1952

Christi Königtum

1947

Rembrandt und die Bibel

1947

Der Kampf der Holländischen Kirche

1946

Der Weltkirchenrat, seine Natur und seine Grenzen

1946

Elend und Größe der Kirche

1944

Die Kirche und ihre Funktion in der Gesellschaft

mit Dr. Oldham, 1937

Keine anderen Götter

1937

Anglo-Katholizismus und Orthodoxie

1933

Laudator Paul Mikat

Paul Mikat, geboren am 10. Dezember 1924 in Scherfede als uneheliches Kind einer Ärztin und eins römischen Priesters, kam zu Adoptiveltern, deren Namen er annahm. Nach dem Studium der Rechtswissenschaft mit anschließender Promotion (1954) und Habilitation (1956) nahm er den Ruf auf den Lehrstuhl für Deutsches recht an der Universität Würzburg an. 1965 ging er an die Ruhr-Universität Bochum, wo er bis zu seiner Emeritierung 1990 blieb.


1962 wurde er zum Kulturminister des Landes Nordrhein-Westfalen ernannt und ermöglichte unter anderem, dass aufgrund des Lehrermangels Lehrer mit Kurzausbildung in den Staatsdienst übernommen werden konnten. 1969 wurde er Mitglied des Deutschen Bundestags für insgesamt sechs Wahlperioden. Im Oktober 2009 wurde bekannt, dass Mikat als Achtzehnjähriger in die NSDAP eingetreten ist, was zu einer öffentlichen Kontroverse führte.

Paul Mikat verstarb am 24. September 2011 in Düsseldorf im Alter von 86 Jahren.