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Friedenspreis 1952

Romano Guardini

Der Stiftungsrat für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels wählt den Religionsphilosophen Romano Guardini zum Träger des Friedenspreises 1952. Die Verleihung findet am Sonntag, 24. September 1952, in der Paulskirche statt. Die Laudatio hält der Bürgermeister West-Berlins, Ernst Reuter.

Begründung der Jury

Im Namen der deutschen Verleger und Buchhändler verleihen wir Herrn Professor Romano Guardini den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Dem Menschen und Schriftsteller Romano Guardini bezeugen wir damit unseren Dank und unsere Achtung dafür, daß er in einem reichen Leben ein Werk geschaffen hat, das der Wahrheitsforschung und der Formung des Menschen diente. Damit hat er die friedliche Gesinnung einer echten humanitas über alle Spaltung der Nationen, Konfessionen und Klassen hinaus gefördert. Unbeirrt klingt seine Stimme durch die geschichtlichen Wirren unserer Zeit denen, die hören wollen. Sein Werk hat stets dem Frieden, der Verständigung unter den Menschen und ihrer Versöhnung gedient.

Auch mit dieser Verleihung des Friedenspreises bekundet der deutsche Buchhandel seinen festen Willen, mit allen Kräften an der Erhaltung des Friedens und der Freiheit aller Völker der Welt mitzuarbeiten.

Preisverleihung

Reden

Romano Guardinis heiteres und ernstes Antlitz ist von diesem Frieden geprägt, vom Frieden des Gesprächs mit den Menschen, in dem es um die Wahrheit geht.

Josef Knecht - Grußwort des Vorstehers
Josef Knecht
Grußwort des Vorstehers

Wer für den Frieden kämpft, muß in dieser Welt, in der wir leben, den Realitäten ins Auge sehen. Das Medusenhaupt unserer Zeit wird uns entgegengehalten. Aber dieses todbringende Antlitz darf uns nicht lähmen, darf uns nicht versteinern, darf uns nicht zu hoffnungsloser Passivität oder verderblicher Verzweiflung führen.

Ernst Reuter - Laudatio auf Romano Guardini
Ernst Reuter
Laudatio

Es ist also – und damit kehren wir zu unserer Sache zurück – mit dem Reden, Schreiben und Zeigen allein nicht getan, sondern wir stehen hier vor neuen Problemen und Aufgaben. Sie beschränken sich nicht auf die Sorge, Gutes zu schaffen, sondern fordern eine Erziehung zum rechten Aufnehmen des Guten, damit der Mensch nicht am Guten selbst zu Schaden komme.

Romano Guardini - Dankesrede
Romano Guardini
Dankesrede des Preisträgers

Chronik des Jahres 1952

+ + + Im März 1952 stirbt der britische König Georg VI., seine Tochter Elizabeth wird am gleichen Tag zur Queen Elizabeth ii. proklamiert. + + + Bundespräsident Heuss und Bundeskanzler Adenauer einigen sich auf das Deutschlandlied als Nationalhymne. Bei staatlichen Anlässen wird künftig die dritte Strophe gesungen. + + + Sieben Jahre nach Kriegsende erlangt die Bundesrepublik Ende Mai die volle Staatliche Souveränität. Die drei ehemaligen westalliierten Mächte behalten sich jedoch aus der Kapitulation des Deutschen Reiches abgeleitete Rechte vor (Stationierung von Streitkräften, Berlin-Status). Die DDR beschließt am gleichen Tag die Errichtung einer 5 km breiten Sperrzone entlang der Grenze zur Bundesrepublik. + + +


+ + + Mit Israel schließt die Bundesrepublik ein Abkommen, in dem Wiedergutmachungszahlungen für das vom nationalsozialistischen Regime begangene Unrecht vereinbart werden. + + + Der nukleare Rüstungswettkampf der Supermächte erreicht neue Dimensionen: Am 1. November testen die USA die erste Wasserstoffbombe, die mindestens um das 700-fache die Zerstörungskraft der Atombombe von Hiroshima übertrifft. + + + Mitte Juni erscheint erstmals die Bild-Zeitung des Verlegers Axel Springer mit einer Auflage von 250 000 Exemplaren. + + + An der ehemaligen Hinrichtungsstätte der Haftanstalt Plötzensee in West-Berlin wird im Herbst ein Mahnmal zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus enthüllt. + + + Albert Schweitzer erhält den Friedensnobelpreis. + + + Am zweiten Weihnachtsfeiertag geht die »Tagesschau« erstmals auf Sendung. + + +

Biographie Romano Guardini

Romano Guardini wird am 17. Februar 1885 in Verona als Sohn italienischer Eltern geboren. Er wächst in Mainz auf und nimmt 1911 die deutsche Staatsangehörigkeit an. Guardini studiert Theologie in Freiburg, später in Tübingen. Nach seiner Habilitation tritt er 1923 an der Katholisch-Theologischen Fakultät in Breslau eine Professur für Religionsphilosophie und katholische Theologie an, lehrt aber mit Erlaubnis des preußischen Kultusministeriums als ständiger Gast der Philosophischen Fakultät an der Universität Berlin.


Er wird zu einer der führenden Persönlichkeiten der katholischen Jugendbewegung Quickborn und der liturgischen Bewegung. Durch seine Schriften ist sein Einfluss auf die intellektuellen und kirchlichen Kreise der christlichen Konfessionen groß.

1939 verhängen die Nationalsozialisten ein Lehrverbot gegen ihn, persönlich erfährt er keine Repressalien. Nach dem Krieg unterrichtet Guardini einige Jahre in Tübingen und erhält 1948 einen Lehrstuhl an der Universität München, wo er einen großen Hörerkreis um sich schart. 1952, im Jahr seiner Auszeichnung mit dem Friedenspreis, wird er Päpstlicher Hausprälat.

Romano Guardini stirbt am 1. Oktober 1968 im Alter von 83 Jahren.

Auszeichnungen

1965 Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland mit Stern
1963 San Zeno Preis der Stadt Verona
1962 Erasmuspreis
1959 Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
1958 Bayerischer Verdienstorden
1952 Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

Bibliographie

Unterscheidung des Christlichen

1963

Religion und Offenbarung

1958

Die menschliche Wirklichkeit des Herrn. Beitrag zu einer Psychologie Jesu

1958

Landschaft der Ewigkeit

1958

Gegenwart und Geheimnis. Eine Auslegung von 5 Gedichten Eduard Mörikes

1957

Mehr anzeigen

Vom Wesen katholischer Weltanschauung

1953

Die Macht, Versuch und Wegweisung

1951

Die Sinne und die religiöse Erkenntnis

1950

Das Ende der Neuzeit

1950

Das Recht des werdenden Menschenlebens

1950

Deutsche Psalter

1949

Das Jahr des Herrn

1949

Freiheit, Gnade, Schicksal

1948

Der Tod des Sokrates

1944

Vom Sinn der Schwermut

1944

Anfang, Eine Auslegung der ersten fünf Kapitel von Augustins Bekenntnissen

1943

Rilkes Deutung des Daseins. Eine Interpretation der Duineser Elegien

1941

Die letzten Dinge

1940

Hölderlin, Weltbild und Frömmigkeit

1939

Welt und Person. Versuch zur christlichen Lehre vom Menschen

1939

Das Wesen des Christentums

1938

Der Engel in Dantes Göttlicher Komödie

1937

Die Bekehrung des Aurelius Augustinus

1937

Das Bild von Jesus dem Christus im Neuen Testament

1936

Der Herr Betrachtungen über die Person und das Leben Jesu Christi

1936

Christliches Bewußtsein, Versuch über Pascal

1935

Der Mensch und der Glaube, Versuch über die religiöse Existenz in Dostojewskis großen Romanen

1932

Das Gebet des Herrn

1932

Vom Leben des Glaubens

1932

Vom lebendigen Gott

1930

Das Gute, das Gewissen und die Sammlung

1929

Der Gegensatz. Versuch zu einer Philosophie des Lebendig-Konkreten

1925

Vom Sinn der Kirche

1922

Gottes Werkleute

1921 ff.

Vom Geist der Liturgie

1918

Laudator Ernst Reuter

Der Sozialdemokrat Ernst Reuter, geboren am 29. Juli 1889 in Apenrade, Schleswig, war seit 1912 Mitglied der SPD. 1918 schloss er sich als Kriegsgefangener im Ersten Weltkrieg in Russland den "Bolschewiki" an und arbeitete als Volkskommissar in der Wolgadeutschen Republik. 1922 wechselte zur KPD und baute die Berliner Organisation auf. Ab 1922 war Reuter wieder Mitglied der SPD und zog in den Berliner Magistrat ein.


Von 1926 bis 1931 wurde er im Stadtrat Berlin zum Verkehrsdezernent der Stadt berufen. 1933 erfolgte die Wahl Reuters zum Oberbürgermeister von Magdeburg. Zudem war er von 1932 bis 1933 auch Mitglied des Berliner Reichstags. Am 24. März 1933 erfolgte das Ermächtigungsgesetz von allen Parteien, außer der SPD und der bereits verbotenen KPD. Nun galt Ernst Reuter unter der NSDAP-Herrschaft als politischer Gegner. Im selben Jahr reiste er über Großbritannien ins türkische Exil nach Ankara. Von 1935 bis 1939 war Reuter an der Universität von Ankara Professor für Kommunalwissenschaften sowie Berater der türkischen Regierung. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges kehrte er wieder nach Deutschland zurück und wurde im Jahr 1946 erneut zum Stadtrat im nun besetzten Berlin gewählt. 1947 erfolgte Ernst Reuters Wahl zum ersten Oberbürgermeister von West-Berlin.

Sein Amtsantritt wurde jedoch durch die sowjetische Militäradministration verhindert. Am 9. September 1948 sprach Ernst Reuter vor 300.000 Berlinern auf dem Platz der Republik vor dem Reichstags-Gebäude: "Ihr Völker der Welt, ihr Völker in Amerika, in England, in Frankreich, in Italien! Schaut auf diese Stadt und erkennt, dass ihr diese Stadt und dieses Volk nicht preisgeben dürft ...". (Berlin Rede - Völker der Welt). Seine Worte waren der Protest gegen die "Blockade Berlins". Zu dieser Zeit war Willy Brandt bereits ein enger Mitarbeiter und Berater Reuters. Von 1948 bis 1951 stellte Reuter den Oberbürgermeister der drei westlichen Sektoren, Berlin. Nach der faktischen Teilung der Stadt und erneuten Wahlen, wurde Ernst Reuter 1951 zum ersten Regierenden Bürgermeister West-Berlins gewählt.

Ernst Lars Reuter begleitete dieses Amt bis zu seinem Tod am 29. September 1953 in Berlin.