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Friedenspreis 2015

Navid Kermani

Der Stiftungsrat hat den deutschen Orientalisten, Schriftsteller und Essayisten Navid Kermani zum Träger des Friedenspreises 2015 gewählt. Die Preisverleihung fand am 18. Oktober 2015 in der Frankfurter Paulskirche statt. Die Laudatio hielt der Literaturwissenschaftler Norbert Miller.

Begründung der Jury

Den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verleiht der Börsenverein im Jahr 2015 an Navid Kermani. Der deutsche Schriftsteller, Orientalist und Essayist ist eine der wichtigsten Stimmen in unserer Gesellschaft, die sich mehr denn je den Erfahrungswelten von Menschen unterschiedlichster nationaler und religiöser Herkunft stellen muss, um ein friedliches, an den Menschenrechten orientiertes Zusammenleben zu ermöglichen.


Seine wissenschaftlichen Arbeiten, in denen er Fragen der Mystik, der Ästhetik und der Theodizee insbesondere im Raum des Islam nachgeht, weisen Navid Kermani als Autor aus, der mit großer Sachkenntnis in die theologischen und gesellschaftlichen Diskurse einzugreifen vermag.

Die Romane und Essays von Navid Kermani, insbesondere aber auch seine Reportagen aus Krisengebieten zeigen, wie sehr er sich der Würde des einzelnen Menschen und dem Respekt für die verschiedenen Kulturen und Religionen verpflichtet weiß, und wie sehr er sich für eine offene europäische Gesellschaft einsetzt, die Flüchtlingen Schutz bietet und der Menschlichkeit Raum gibt.“

Preisverleihung

Navid Kermani erhält die Friedenspreisurkunde aus den Händen von Börsenvereinsvorsteher Heinrich Riethmüller. Im Hintergrund klatscht Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann Beifall.

Reden

Für den Stiftungsrat des Friedenspreises ist der Mensch Navid Kermani ein Vorbild: ein aufgeklärter Bürger, der Hölderlin und die Poesie liebt, der aus der Literatur und aus seiner Religiosität die Anregungen, Erkenntnisse und Kraft zu schöpfen scheint, die wir, angesichts einer Welt, die aus den Fugen gerät, alle brauchen.

Heinrich Riethmüller - Grußwort
Heinrich Riethmüller
Grußwort des Vorstehers

Immer überrascht er durch das unscheinbare, sprechende Indiz für einen sonst kaum faßbaren Sachverhalt, und an jeder Wendung spürt man die Teilnahme, die oft so hilflose Freundwilligkeit des Zeugen.

Norbert Miller - Laudatio
Norbert Miller
Laudatio auf Navid Kermani

Darf ein Friedenspreisträger zum Krieg aufrufen? Ich rufe nicht zum Krieg auf. Ich weise lediglich darauf hin, dass es einen Krieg gibt.

Navid Kermani - Dankesrede
Navid Kermani
Dankesrede

Chronik des Jahres 2015

+ + + Beitritt Litauens als 19. Mitglied zur Eurozone. + + + Bei einem Anschlag auf die französische Satirezeitschrift Charlie Hebdo werden in Paris zwölf Menschen getötet. + + + Bei einem Massaker der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram werden in der nigerianischen Stadt Baga hunderte von Menschen getötet. + + + Befreiung der Stadt Kobanê durch kurdische Einheiten im Kampf gegen IS-Terroristen. + + + Bei dem vorsätzlich herbeigeführten Absturz eines Airbus A320 der Germanwings sterben im Massif des Trois-Évêchés in den französischen Seealpen alle 150 Personen an Bord. + + + Bei einem Schiffsunglück vor Lampedusa sterben beim Kentern eines Flüchtlingsboots etwa 675 Menschen. + + +


+ + + Als eine Reaktion auf die zunehmende Flüchtlingskrise in Europa kommt es in Deutschland zu mehrtägigen fremdenfeindlichen Ausschreitungen unter anderem im sächsischen Heidenau im August. + + + Bei massiven Waldbränden in Indonesien kommt es zu einer Smogkrise (Haze), die in Südostasien etwa 100.000 Menschenleben durch Luftverschmutzung fordert. + + + Nahe der österreichischen Gemeinde Parndorf wird ein LKW mit 71 getöteten Flüchtlingen entdeckt. + + + Angela Merkels Satz „Wir schaffen das“ findet weltweit Aufsehen im Zusammenhang mit der Flüchtlingspolitik. + + + Der Abgasskandal fliegt auf. + + + Bei einem Anschlag sterben in der türkischen Hauptstadt Ankara mindestens 102 Menschen und mehr als 500 werden verletzt. + + + Auf die am Folgetag zur neuen Kölner Oberbürgermeisterin gewählte Henriette Reker wird ein Attentat verübt, bei dem sie schwer verletzt wird. + + + In Paris kommt es simultan zu mehreren schweren terroristischen Angriffen, die 130 Todesopfer und 352 Verletzte fordern. + + + UN-Klimakonferenz in Le Bourget bei Paris; die Konferenz endet mit dem von allen 195 Teilnehmerstaaten unterzeichneten Übereinkommen von Paris. + + + Eine große Mehrheit der Abgeordneten im Deutschen Bundestag befürwortet einen Bundeswehreinsatz in Syrien. + + + In Köln und weiteren deutschen Städten kommt es in der Silvesternacht vielfach zu sexuellen Übergriffen gegenüber Frauen durch eine größere Anzahl nach bisherigen Hinweisen überwiegend arabischsprachiger Männer. + + +

Biographie Navid Kermani

Navid Kermani, geboren am 27. November 1967 in Siegen als vierter Sohn iranischer Eltern, beginnt mit bereits fünfzehn Jahren, regelmäßig für die Westfälische Rundschau zu schreiben. Nach dem Abitur und einer Hospitanz bei Roberto Ciulli am Theater an der Ruhr in Mülheim studiert er in Köln, Kairo und Bonn Islamwissenschaften, Philosophie und Theaterwissenschaft. Mit seiner Dissertation „Gott ist schön. Das ästhetische Erleben des Koran“ (Verlag C.H. Beck 1999) sorgt er gleichermaßen in den deutschsprachigen Feuilletons wie in der internationalen Fachpresse für Aufmerksamkeit. Parallel zum Studium schreibt Kermani ab 1995 für die Frankfurter Allgemeine Zeitung Literaturkritiken und Reportagen und wird 1998 fester Mitarbeiter im Feuilleton. Zudem ister als Dramaturg am Theater an der Ruhr in Mülheim (1994/95) und am Schauspielhaus Frankfurt (1998/99) tätig. 1994 gründet er in Isfahan, der Heimatstadt seiner Eltern, das erste internationale Kulturzentrum, das infolge von Spannungen im deutsch-iranischen Verhältnis 1997 wieder schließen muss.


Von 2000 bis 2003 ist Kermani Long Term Fellow am Berliner Wissenschaftskolleg und leitet in dieser Zeit den „Arbeitskreis Moderne und Islam“. Zudem initiiert er in dieser Zeit mehrere internationale Forschungsvorhaben wie etwa das Projekt „Jüdische und islamische Hermeneutik als Kulturkritik“, aus dem der Vorschlag für eine Jüdisch-Islamische Akademie in Berlin hervorgeht. Mit seinen ersten literarischen Veröffentlichungen entscheidet er sich 2003 gegen die Fortsetzung der akademischen Laufbahn und lebt seither als freier Schriftsteller. Gleichwohl habilitiert er sich 2005 im Fach Orientalistik an der Bonner Universität.

Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit veröffentlicht Kermani in der Folgezeit regelmäßig Beiträge, Reportagen und Kunstbetrachtungen in den großen deutschsprachigen Zeitungen sowie im Spiegel. Von 2006 bis 2009 ist er Teilnehmer der ersten Deutschen Islam Konferenz und wird 2007 als erster Schriftsteller der zweiten bundesdeutschen Einwanderergeneration in die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung aufgenommen. Das anschließende Jahr 2008 verbringt er als Stipendiat der Villa Massimo in Rom. Zudem hält Kermani 2010 die traditionsreichen Frankfurter Poetikvorlesungen, ist 2013 Gastprofessor für Islamwissenschaft an der Universität Frankfurt und 2014 Gastprofessor für deutsche Literatur am Dartmouth College (USA).

Die literarischen Arbeiten von Navid Kermani, die zuerst im Ammann Verlag und seit 2011 im Carl Hanser Verlag erscheinen, thematisieren immer wieder die Grundfragen und Grenzerfahrungen der menschlichen Existenz wie Liebe und Sexualität, Verzückung und Tod. Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Bücher sind der Koran und die islamische Mystik. Darüber hinaus berichtet Kermani immer wieder als Reporter aus Kriegs- und Krisengebieten und beschäftigt er in seinen öffentlichen Stellungnahmen mit dem Verhältnis zwischen Glauben und Gesellschaft sowie den Beziehungen des Westens zu den Ländern im Nahen Osten.

Navid Kermani lebt seit 1988 in Köln und ist mit Katajun Amirpur verheiratet, die als Professorin für Islamwissenschaft an der Universität Hamburg lehrt. Das Paar hat zwei Töchter.

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Nach der Veröffentlichung seiner Doktorarbeit unter dem Titel „Gott ist schön“ (1999), die – in mehrere Sprachen übersetzt – als ein Standardwerk der Islamwissenschaft angesehen wird, erscheinen in der Folgezeit eine Sammlung von Reportagen mit dem Titel „Iran. Die Revolution der Kinder“ und der Gesprächsband „Ein Leben mit dem Islam“ (2001) als ein von Navid Kermani erzählte Autobiographie des ägyptischen Koranexperten Nasr Hamid Abu Zaid. Unter dem Eindruck der Terroranschläge vom 11. September 2001 in New York analysiert Kermani in dem Buch „Dynamit des Geistes – Martyrium, Islam und Nihilismus“ (2002) die Geschichte des Selbstopferungsgedankens und die Genese des islamistischen Terrors.

Die als Soundtrack für ein Leben zwischen Babykoliken und philosophischen Gedankengängen konzipierte Erzählung „Das Buch der von Neil Young Getöten“ (2002), die zu einem großen Publikums- wie Kritikererfolg wird, die feingesponnenen Erzählminiaturen in „Vierzig Leben“ (2004) und der 2005 erscheinende Erzählband „Du sollst“, in dem er anhand der biblischen Gebote Situationen verkümmernder oder brutalisierter Sexualität schildert, sind Bestandteil der ersten zehn Jahre seines belletristischen Werks, das mit dem Kinderbuch „Ayda, Bär und Hase“ (2006) und dem Roman „Kurzmitteilung“ (2007) über einen Eventmanagers, den der Tod einer entfernten Bekannten einige Tage aus der Bahn wirft, seine Fortsetzung findet.

Im gleichen Zeitraum veröffentlicht Kermani beginnend mit „Schöner neuer Orient: Berichte von Städten und Kriegen“ (2003) zahlreiche Essaysammlungen und akademische Werke. „Schöner neuer Orient“ ist eine Sammlung von Reportagen, welche dem Leser die Widersprüche und Ambivalenzen der heutigen islamischen Welt vor Augen führen.Das Zweifeln des Menschen an Gott angesichts von Ungerechtigkeit und Elend auf der Welt ist Thema des folgenden Buches, seiner Habilitationsschrift „Der Schrecken Gottes – Attar, Hiob und die metaphysische Revolte“ (2005), das als eine grundlegende Studie über das Motiv der Auflehnung gegen Gott innerhalb der monotheistischen Religionen gilt: „In einer Zeit politisch motivierter neuer Abgrenzung und Ausgrenzung zwischen islamisch-orientalischer und christlich-westlicher Welt ist Kermanis Unternehmen buchstäblich grenzensprengend. Es ist für religiösen Fanatismus und Totalitarismus auf allen Seiten gefährlicher als die Attacke durch einen religionskritischen Atheisten“ (Frankfurter Rundschau).

Der ebenfalls im Jahr 2005 veröffentlichte Band „Strategie der Eskalation. Der Nahe Osten und die Politik des Westens“ ist eine Zusammenstellung von Kommentaren über die Bekämpfung des Terrors und die vertanen Chancen, dem Extremismus den Boden zu entziehen. 2009 erscheint das Buch „Wer ist wir? Deutschland und seine Muslime“, in dem sich Kermani mit Fragen der Integration auseinandersetzt und für einen differenzierten Blick auf Religionen und ihre Bedeutung im Alltagsleben plädiert.

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2010 übernimmt Navid Kermani die Poetik-Dozentur an der Frankfurter Goethe-Universität. Seine Vorlesungen werden 2012 unter dem Titel „Über den Zufall. Jean Paul, Hölderlin und der Roman, den ich schreibe“ als eigenständiges Werk veröffentlicht. In dem 2006 begonnenen und mehr als 1200 Seiten umfassenden Roman „Dein Name“ (2011), für den er den Joseph-Breitbach-Preis erhält, entwirft der Erzähler über eine Zeitspanne von fünf Jahren ein Panorama seiner Alltagswelt und der darin sich abzeichnenden Weltenläufe – „ein wahrhaftes Denkmal des menschlichen Geistes“, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt.

Mit den Reportagen, die in „Ausnahmezustand. Reisen in eine beunruhigte Welt“ (2013) versammelt sind, führt Kermani den Leser zu dem Krisengürtel, der sich von Kaschmir über Pakistan, Afghanistan und Iran bis in die Arabische Welt und bis an die Grenzen und Küsten Europas erstreckt. Anhand von differenziert geschilderten Alltagsszenen und zwischenmenschlichen Begegnungen beschreibt er eindrücklich die menschlichen Schicksale, die sich hinter den meist namenlosen Berichten aus den Krisenregionen der Welt verbergen. 2014 reist Kermani für eine Serie von Reportagen, die zunächst im Spiegel und kurz darauf auch als E-Book erscheinen, quer durch den Irak.

In dem Roman „Große Liebe“ (2014), der in den 1980er Jahren angesiedelt ist und auf Platz eins der SWR-Bestenliste gewählt wird, führt Kermani dem Leser das zeitlose Schauspiel der Liebe in ihrer ganzen Majestät und Überschwänglichkeit vor, verknüpft mit den Erzählungen der arabisch-persischen Liebesmystik. Sein jüngstes Buch „Zwischen Koran und Kafka. West-östliche Erkundigungen“ (2014) zeichnet die Begegnungen zwischen westlicher und orientalischer Literatur, Kunst und Religion nach – „die schönste essayistische Prosa, die gerade auf Deutsch zu haben ist“ (WDR).

Im August 2015 wird mit „Ungläubiges Staunen. Über das Christentum“ eine Reflexion von Navid Kermani über die christliche Kunst und Religion aus der persönlichen Sicht des deutschen Schriftstellers muslimischen Glaubens erscheinen.

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Neben seinen Büchern und Essays bezieht Navid Kermani auch mit vielen seiner Reden und Vorträge immer wieder Stellung zu politischen und gesellschaftlichen Debatten. Insbesondere setzt er sich dabei für die Bewahrung und Weiterentwicklung des europäischen Projektes ein. So erregt seine 1995 gehaltene Festrede zum 50. Jahrestag der Wiedereröffnung des Burg­theaters, in der er die europäische Flüchtlingspolitik anprangert, großes Aufsehen. 2009 wird ihm der Hessische Kulturpreis aufgrund eines Beitrags in der Neuen Zürcher Zeitung über die „Kreuzigung“ von Guido Reni zunächst vom damaligen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch aberkannt. Später entschuldigt sich Koch bei Kermani, der den Preis daraufhin annimmt. Das Preisgeld spendet er der katholischen Gemeinde Köln-Vingst, die in der Kollekte für den Bau der Kölner Moschee gesammelt hat.

In seiner vielzitierten Rede anlässlich der Verkündung des Grundgesetzes vor 65 Jahren, die von der Universität Tübingen zur „Rede des Jahres“ gewählt wird, analysiert Kermani im Mai 2014 im Deutschen Bundestag emphatisch die Sprache des Grundgesetzes und dessen normative Kraft. Dabei führt er den Kniefall Willy Brandts als das symbolische Ereignis der Nachkriegsgeschichte an, mit dem die Bundesrepublik Deutschland ihre heutige Identität und Würde gefunden habe:

„Ich neige vor Bildschirmen nicht zur Sentimentalität, und doch ging es mir wie so vielen, als zu seinem 100. Geburtstag die Aufnahmen eines deutschen Kanzlers wiederholt wurden, der vor dem Ehrenmal im ehemaligen Warschauer Getto zurücktritt, einen Augenblick zögert und dann völlig überraschend auf die Knie fällt – ich kann das bis heute nicht sehen, ohne dass mir Tränen in die Augen schießen.   
Und das Seltsame ist: Es sind neben allem anderen, neben der Rührung, der Erinnerung an die Verbrechen, dem jedes Mal neuen Staunen, es sind auch Tränen des Stolzes, des sehr leisen und doch bestimmten Stolzes auf eine solche Bundesrepublik Deutschland.           
Sie ist das Deutschland, das ich liebe, nicht das großsprecherische, nicht das kraftmeiernde, nicht das Stolz-ein-Deutscher-zu-sein-Deutschland oder das Europa-spricht-endlich-Deutsch-Deutschland, vielmehr eine Nation, die über ihre Geschichte verzweifelt, die bis hin zur Selbstanklage mit sich ringt und hadert, zugleich am eigenen Versagen gereift ist, die nie mehr den Prunk benötigt, ihre Verfassung bescheiden Grundgesetz nennt und dem Fremden lieber eine Spur zu freundlich, zu arglos begegnet, als jemals wieder der Fremdenfeindlichkeit, der Überheblichkeit zu verfallen.“

Im weiteren Verlauf übt Kermani aber auch scharfe Kritik an den „Entstellungen“, die am Grundgesetz vorgenommen worden seien und widmet sich hier vor allem dem Paragraphen 16, dessen „wundervoll bündiger Satz – ‚Politisch Verfolgte genießen Asylrecht.‘ ‑ zu einer monströsen Verordnung aus 275 Wörtern geriet, die wüst aufeinandergestapelt und fest ineinander verschachtelt wurden, nur um eines zu verbergen: dass Deutschland das Asyl als ein Grundrecht praktisch abgeschafft hat.“

Nach den Anschlägen in Paris bekennt sich Navid Kermani Anfang 2015 als Hauptredner der Kölner Trauerkundgebung zu den in der Zeit der Aufklärung entwickelten Grundwerten: Man brauche nicht weniger, sondern mehr Freiheit, um das Ziel des Terrorismus aber auch der europäischen Rechten, einen Keil in die Gesellschaft zu treiben, zu verhindern. Zugleich fordert er die Muslime auf, den Terrorismus nicht einfach als „unislamisch“ abzutun: „In dem Augenblick, da sich Terroristen auf den Islam berufen, hat der Terror auch etwas mit dem Islam zu tun. Wir müssen die Auseinandersetzung mit der Lehre suchen, die heute weltweit Menschen gegeneinander aufhetzt und Andersgläubige ermordet oder erniedrigt.“

Auszeichnungen

2018 Samuel-Bogumil-Linde-Preis
2017 Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen
2017 Bürgerpreis der deutschen Zeitungen
2017 Hermann-Sinsheimer-Preis
2017 ECF Princess Margriet Award for Culture
2016 Bürgerpreis der deutschen Zeitungen
2016 Marion Dönhoff Preis  
2015 Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 


2014 Gerty-Spies-Literaturpreis
2014 Joseph-Breitbach-Preis
2012 Heinrich-von-Kleist-Preis
2012 Kölner Kulturpreis
2012 Cicero-Rednerpreis
2011 Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken
2011 Buber-Rosenzweig-Medaille
2009 Hessischer Kulturpreis
2004 Europa-Preis der Heinz-Schwarzkopf-Stiftung
2003 Jahrespreis der Helga und Edzard Reuter-Stiftung
2000 Ernst-Bloch-Förder­preis

Bibliographie

Morgen ist da: Reden

Verlag C.H. Beck, München 2019, 368, Seiten, ISBN 978-3406739422, 26,00 €

Entlang den Gräben. Eine Reise durch das östliche Europa bis nach Isfahan.

Verlag C.H. Beck, München 2018, 447 Seiten, ISBN 978-3-406-71402-3, 14,95 €

Sozusagen Paris

Roman, Carl Hanser Verlag, München 2016, 288 Seiten, ISBN 978-3-446-25276-9, 22,00 €

Ungläubiges Staunen. Über das Christentum

Verlag C.H. Beck, München 2015, 304Seiten, ISBN 978-3-406-68337-4, 14,00 €

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Einbruch der Wirklichkeit. Auf dem Flüchtlingstreck durch Europa

mit Photographien von Moses Saman, Verlag C.H. Beck, München 2016, 96 Seiten, ISBN 978-3-406-69208-6 , 10,00 €

Große Liebe

Roman, Carl Hanser Verlag, München 2014, 224 Seiten, ISBN 978-3-446-24576-1, 18,90 €

Zwischen Koran und Kafka. West-östliche Erkundungen

Verlag C.H. Beck Verlag, München 2014, 365 Seiten, ISBN 978-3-406-66662-9, 24,95 €

Album: Das Buch der von Neil Young Getöteten. Vierzig Leben. Du sollst. Kurzmitteilung

Carl Hanser Verlag, München 2014, 512 S., Paperback, 27,90 €, ISBN13: 978-3-446-24535-8

Wenn Ihr die schwarzen Flaggen seht - Eine Reise durch den Irak

mit Fotos von Ali Arkady und Sebastian Meyer, SPIEGEL-Verlag, Hamburg 2014, 63 S., epub, 2,99 €, ISBN13: 978-3-87763-119-5

Ausnahmezustand. Reisen in eine beunruhigte Welt

C.H. Beck Verlag, München 2013, 252 Seiten, 14,95 €, ISBN13: 978-3-406-68292-6

Über den Zufall. Jean Paul, Hölderlin und der Roman, den ich schreibe

Carl Hanser Verlag, München 2012, 223 S., Paperback, 17,90 €, ISBN13: 978-3-446-23993-7

Vergesst Deutschland! Eine patriotische Rede

Ullstein Buchverlage, Berlin 2012, 47 S., gebunden, 3,99 €, ISBN13: 978-3-550-08021-0

Dein Name

Roman, Carl Hanser Verlag, München 2011 (3., durchgesehene Auflage), 1232 S., kartoniert, 34,90 €, ISBN13: 978-3-446-23743-8 - Rowohlt Taschenbuch, Reinbek 2015, 1232 S., Paperback, 16,99 €, ISBN13: 978-3-499-26971-4

Wer ist Wir? Deutschland und seine Muslime

C.H. Beck Verlag, München 2009, 170 S., gebunden, 16,95 €, ISBN13: 978-3-406-66459-5

Kurzmitteilung

Ammann Verlag, Zürich 2007, 156 S., gebunden, ISBN13: 978-3-250-60104-3 (vergriffen)

Ayda, Bär und Hase

Mit Illustrationen von Karsten Teich Picus Verlag, Wien 2006, 155 S., gebunden, 12,90 €, ISBN13: 978-3-85452-886-9

Der Schrecken Gottes. Attar, Hiob und die metaphysische Revolte

C.H. Beck Verlag, München 2005, 335 S., gebunden 24,90 €, ISBN: 3-406-53524-0 (vergriffen) - C.H. Beck Verlag, München 2011, 335 S., Paperback, Beck'sche Reihe 6017, 14,95 €, ISBN13: 978-3-406-62397-4

Du sollst

Ammann Verlag, Zürich 2005, 160 S., Leinen, 17,90 €, ISBN 3-250-60079-2 (vergriffen)

Strategie der Eskalation. Der Nahe Osten und die Politik des Westens

Wallstein Verlag, Göttingen 2005, 96 S., Englisch Broschur, Göttinger Sudelblätter, 12,00 €, ISBN13: 978-3-89244-966-9

Nach Europa : Rede zum 50. Jahrestag der Wiedereröffnung des Wiener Burgtheaters

Ammann Verlag, Zürich 2005, 47 S., kart., Preis, ISBN 3-250-20006-9 (vergriffen)

Vierzig Leben

Ammann Verlag, Zürich 2004, 208 S., Leinen, 19.90 €, ISBN 3-250-60068-7 (vergriffen)

Schöner neuer Orient. Berichte von Städten und Kriegen

C.H. Beck Verlag, München 2003 (3. Auflage), 240 S., gebunden, 19,90 €, ISBN13: 978-3-406-50208-8

Toleranz. Drei Lesarten zu Lessings "Märchen vom Ring" im Jahre 2003

von Angelika Overath, Navid Kermani und Robert Schindel Wallstein Verlag, Göttingen 2003, 56S., Englisch Broschur, Göttinger Sudelblätter, 12,00 €, ISBN13: 978-3-89244-688-0

Das Buch der von Neil Young Getöteten

Ammann Verlag, Zürich 2002, 176 S., gebunden, 17,90 €, ISBN13: 978-3-250-60039-3 (vergriffen) - Suhrkamp Verlag, Berlin 2013, 144 S., Paperback, suhrkamp taschenbuch 4461, 7,99 €, ISBN13: 978-3-518-46461-8

Dynamit des Geistes. Martyrium, Islam und Nihilismus

Wallstein Verlag, Göttingen 2002, 72 S., Göttinger Sudelblätter 42, 14,00 €, ISBN13: 978-3-89244-622-9

Auf den Spuren der Muslime: mein Leben zwischen den Kulturen

Gesprächsband mit Annemarie Schimmel, herausgegeben von Hartmut Bobzin und Navid Kermani, Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 2002, 192 S., kart., Herder-Spektrum Bd. 5272, 9,90 €, ISBN: 3-451-05272-5

Iran. Die Revolution der Kinder

C.H. Beck Verlag, München 2001, Gebunden, 264 S., 19,50 €, ISBN 3-406-47399-7 (vergriffen) - C.H. Beck Verlag, München 2005 (4. erweiterte und aktualisierte Auflage), 288 S., Paperback, Beck'sche Reihe 1485, 12,90 €, ISBN13: 978-3-406-47625-9

Nasr Hamid Abu Zaid: Ein Leben mit dem Islam

Erzählt von Navid Kermani. Aus dem Arabischen von Cherifa Magdi Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 2001, 222 S., kart., Herder-Spektrum Bd. 5209, 9,90 €, ISBN: 3-451-05209-1

Gott ist schön. Das ästhetische Erleben des Koran

C.H. Beck Verlag, München 1999, 546 S., Broschiert, 24,90 €, ISBN 3-406-46738-5 (vergriffen) - C.H. Beck Verlag, München 2011 (4. Auflage), 546 S., Paperback, 24,90 €, ISBN13: 978-3-406-46738-7

Offenbarung als Kommunikation. Das Konzept waḥy in Naṣr Ḥāmid Abū Zayds Mafhūm an-naṣṣ

Peter Lang – Internationaler Verlag der Wissenschaft, Frankfurt am Main et al. 1996, 138 S., Broschur, Reihe: Europäische Hochschulschriften / European University Studies / Publications Universitaires Européennes - Band 58, 35,70 €, ISBN13 978-3-631-30241-5 (vergriffen)

Laudator Norbert Miller

Norbert Miller, geboren 1937 in München, studierte Literatur- und Musikwissenschaft und Kunstgeschichte. Gemeinsam mit Walter Höllerer rief er 1961 die Zeitschrift „Sprache im technischen Zeitalter“ ins Leben, deren Herausgeber er heute noch ist, und gründete 1963 das Literarische Colloquium Berlin.


Von 1972 bis 2005 war Norbert Miller Professor für Deutsche Philologie, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Technischen Hochschule in Berlin. Er hat unter anderem die Werke von Jean Paul, Daniel Defoe und Henry Fielding herausgegeben und ist zudem Mitherausgeber der Münchner Ausgabe der Werke Goethes.

Für seine zahlreichen Werke, zuletzt „Paradox und Wunderschachtel“ (2012) und „Fonthill Abbey. Die dunkle Welt des William Beckford“ (2012), hat Norbert Miller zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten, unter anderem die Goldene Goethe-Medaille der Goethe-Gesellschaft Weimar, den Deutschen Sprachpreis und das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.