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Friedenspreis 1950

Max Tau

Als erster Preisträger des „Friedenspreises Deutscher Verleger“ wird am 3. Juni 1950 (und nicht, wie beabsichtigt, am 22. April 1950, dem Geburtstag von Immanuel Kant) der Verleger und Autor Max Tau ausgezeichnet. Die Verleihung findet in einem Privathaus eines Weinhändlers in Alsterdorf bei Hamburg statt. Die Laudatio hält der damalige Generaldirektor des Rundfunks in Hamburg Adolf Grimme.

Begründung der Jury

Um den Frieden und einer neuen völkerverbindenden Kultur zu dienen, haben die Unterzeichneten einen Friedenspreis Deutscher Verleger 1950 gestiftet und verleihen ihn mit dieser Urkunde Herrn Dr. Max Tau in Oslo. Sie würdigen damit seine umfassenden Verdienste in Leben und Literatur und danken ihm für seine Haltung gegenüber der alten Heimat, die ihm seinen Einsatz oft schwer genug machte.


Indem sich die Unterzeichneten beglückwünmschen, ihre Stiftung mit seinem Namen verknüpfen zu können, empfinden sie zugleich die Verpflichtung des Datums der Verleihung. Denn der 22. April ist der Geburtstag Immanuel Kants, auf dessen Schrift "Zum ewigen Frieden" noch heute alle Bestrebungen zurückgreifen, die in einem Herzensbund zwischen Frömmigkeit und Vernunft den einzigen Weg sehen, das zertrümmerte Bild des Menschen wieder aufzurichten und neues Blutvergießen zu verhindern.

C. Bertelsmann Verlag (Gütersloh), Deutsche Buchgemeinschaft (Hamburg), Furche Verlag (Hamburg-Berlin), F.A. Herbig Verlag (Berlin), Hans von Hugo Verlag (Hamburg), Gustav Kiepenheuer Verlag (Weimar), Wolfgang Krüger Verlag (Hamburg), Paul List Verlag (München), Paul List Verlag (Leipzig), Emil A. Schaffner (Zürich), Steingrüben Verlag (Stuttgart), Universitas Verlag (Berlin), Verlag Kurt Desch (München), Verlag Marie Honeit (Hamburg), Friedrich Wittig Verlag (Hamburg) am 22. April 1950.

Preisverleihung

Reden

Und zum andern sind Sie selbst ein lebendiger Zeuge dessen, daß es auch für den einzelnen möglich ist, in einem Zeitalter teuflischer Inhumanität dem Humanen menschliche Gestalt zu geben.

Adolf Grimme - Laudatio auf Max Tau

Der Mensch ist einsam geworden. Er kann alle technischen Verbindungen in einem Augenblick herstellen, aber die einzige Verbindung, die ihm unentbehrlich ist, die Verbindung zum Menschen, ist abgebrochen. Die mechanisierte Welt erschwert, was die menschliche fordert. Zu Menschen kann man nur hinwachsen. Wer den Frieden will, muß erst den Frieden in sich selbst schaffen.

Max Tau - Dankesrede
Max Tau
Dankesrede des Preisträgers

Chronik des Jahres 1950

+ + + Im Januar 1950 erklärt der israelische Ministerpräsident Ben Gurion Jerusalem zur Hauptstadt Israels und verstößt damit gegen UN-Beschlüsse. + + + Nach insgesamt 3,7 Millionen Verfahren wird die Entnazifizierung in der Bundesrepublik abgeschlossen. Etwa 1600 Personen werden zu Hauptschuldigen erklärt, 20 000 als schwer und 150 000 als minder belastet eingestuft. + + + In der DDR billigt die Volkskammer das Gesetz zur Bildung des Ministeriums für Staatssicherheit. Das Abspielen von angloamerikanischer Tanzmusik in der Öffentlichkeit wird verboten. + + +


+ + + Polen und die DDR erklären im Juni die Oder-Neiße-Linie zur endgültigen deutsch-polnischen Grenze. + + + Die Koreakrise erreicht die Bundesrepublik: Im Juni marschieren Truppen des kommunistisch regierten Nordkoreas im Süden des Landes ein. Daraufhin verstärken die USA und Großbritannien ihre Bemühungen, die Bundesrepublik an das westliche Lager zu binden. + + + Kanzler Adenauer plädiert für eine baldige Wiederbewaffnung, wogegen sich der heftige Widerstand der Friedensbewegung richtet. Im Oktober tritt Bundesinnenminister Gustav Heinemann aus Protest gegen die Wiederbewaffnungspläne zurück. + + + Der nationalchinesische Führer Chiang Kai-shek proklamiert auf der Insel Taiwan die Republik China. In New York wird im September die Vollversammlung der Vereinten Nationen eröffnet. Auf ihrer ersten Sitzung lehnen die Delegierten die Aufnahme der Volksrepublik China in die UNO ab. Der tibetische Dalai Lama bittet in Indien um Asyl, nachdem Truppen der Volksrepublik China mit der Besetzung seines Landes begonnen haben. + + +

Biographie Max Tau

Max Tau wird am 19. Januar 1897 im oberschlesischen Beuthen als ältester Sohn eines jüdischen Tuchhändlers geboren. Die schwere Kindheit mit vielen Krankheiten verschüchtert ihn – richtig sprechen kann er erst mit dreizehn Jahren – und fördert zugleich sein Interesse an der Literatur, die er im väterlichen Arbeitszimmer vorfindet. Nach Studium und anschließender Promotion über Theodor Fontane (1928) wird Tau Lektor in dem Trierer Verlag von Friedrich Hintz, später Cheflektor im Verlag Bruno Cassirer in Berlin.


Auch durch seine Essays über Literatur entwickelt er sich zu einem der einflussreichsten Anreger im Hintergrund der deutschen Literatur. Er fördert und entdeckt Autoren wie Marie Louise Kaschnitz, Karel Èapek und Wolfgang Koeppen, wobei schon früh seine Liebe der skandinavischen Literatur gilt, gefestigt durch die Freundschaft mit Knut Hamsun. Obwohl ihn nach dem Machtantritt Adolf Hitlers Freunde immer stärker zur Ausreise drängen, emigriert Max Tau erst 1938 nach Norwegen und findet dort Arbeit als Lektor im Johan Grundt Tanum-Verlag. Während der Besetzung Norwegens durch deutsche Truppen flüchtet Max Tau nach Schweden. Dort trifft er Tove Filseth, seine spätere Frau, die sich für Verfolgte und Leidende einsetzt.

Nach dem Krieg kehrt er in Besitz der norwegischen Staatsbürgerschaft, die er für seine besonderen Verdienste um die Verbreitung norwegischer Literatur erhalten hat, nach Oslo zurück. Taus spätere Lebensjahre sind geprägt von seinem Bemühen um Völkerverständigung, Versöhnung zwischen Juden und Christen sowie zwischen den Generationen. Durch seine Hartnäckigkeit erreicht er, dass Albert Schweitzer, den er 1951 für den Friedenspreis vorschlägt, ein Jahr später mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wird. 1956 gründet er die »Friedensbücherei«, die in Zusammenarbeit mit internationalen Verlagen weltweit bedeutende Werke, die dem Frieden und der Versöhnung dienen, ediert.

Am 13. März 1976 stirbt Max Tau im Alter von 79 Jahren.

Auszeichnungen

1972 Sankt-Olaf-Orden (Norwegen)
1970 Sonning-Preis (Dänemark)
1967 Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern
1966 Lessing-Ring
1965 Nelly-Sachs-Preis
1957 Großes Bundesverdinestkreus
1950 Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

 

Bibliographie

Trotz allem! Lebenserinnerungen aus siebzig Jahren

Siebenstern, Hamburg o. J.

Auf dem Weg zur Versöhnung

Hoffmann und Campe, Hamburg 1968

Ein Flüchtling findet sein Land

Hoffmann und Campe, Hamburg 1964

Das Land das ich verlassen mußte

Hoffmann und Campe, Hamburg, 1961

Mehr anzeigen

Denn über uns ist der Himmel

Hoffmann und Campe, Hamburg 1955 (orig. »For over oss er himmelen«, 1954)

Glaube an den Menschen

Herbig Verlagsbuchhandlung, Berlin 1948 (orig. »Tro paa mennesket«, 1946)

Vorstoss Prosa der Ungedruckten

hrsg. von Max Tau und Wolfgang von Einsiedel, Verlag Bruno Cassirer, Berlin 1930

Landschafts- und Ortsdarstellung Theodor Fontanes

Schwartz, Oldenburg 1928

Das Wilhelm Schmidtbonn Buch

hrsg. von Max Tau, Otto Quikow, Berlin/Lübeck/Leipzig 1927

Die Stillen. Dichtungen

Gesammelt und mit einem Geleitwort von Max Tau, Verlag der Fr. Lintz'schen Buchhandlung, Trier 1921

Bruno Arndt. Sein Wesen und Werk

(=Die Zeitbücher, Band 98), Verlag der Fr. Lintz'schen Buchhandlung, Trier 1920

Laudator Adolf Grimme

Adolf Grimme, geboren am 31. Dezember 1889 in Goslar im Harz, wuchs als Sohn eines Bahnbeamten auf. Nach Abschluss der Schule studierte er Philosophie und Germanistik in Halle, München und Göttingen und wurde 1922 SPD-Mitglied. Nach dem Staatsexamen 1924 trat er in den Schuldienst ein, war zunächst Oberstudienrat in Hannover und ab 1925 Oberschulrat in Magdeburg. In den Jahren von 1930 bis 1932 war er preußischer Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung.


Von 1942 bis 1945 war er unter der Nazidiktatur politischer Häftling. Nach dem Krieg in der Zeit von 1946 bis 1948 war er Kulturminister des Landes Hannover beziehungsweise Niedersachsens. Im Anschluss, von 1948 bis 1956, leitete Grimme den neu gegründeten Nordwestdeutschen Rundfunk Hamburg und Köln als dessen Generaldirektor. 1961 wurde vom deutschen Volkshochschulverband e.V. (DVV) erstmals der Adolf-Grimme-Preis für besonders gute Fernsehsendungen vergeben. Seitdem wird diese Auszeichnung, die nach dem Politiker und Schulreformer Adolf Grimme benannt ist, jedes Jahr vergeben.

Adolf Grimme starb am 27. August 1963 in Degerndorf am Inn. 1973 wurde das Adolf Grimme Institut von Professor Dr. Bert Donnepp gegründet. Es handelt sich dabei um eine Forschungs- und Dienstleitungsinstitution, die sich mit Medienpolitik und Kommunikationskultur beschäftigt. (bearbeitete Quelle: www.whoiswho.de)