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  • 2007 Saul Friedländer

  • 2006 Wolf Lepenies

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  • 2004 Péter Esterházy

  • 2003 Susan Sontag

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  • 2001 Jürgen Habermas

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  • 1999 Fritz Stern

  • 1998 Martin Walser

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  • 1992 Amos Oz

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  • 1990 Karl Dedecius

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  • 1988 Siegfried Lenz

  • 1987 Hans Jonas

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  • 1985 Teddy Kollek

  • 1984 Octavio Paz

  • 1983 Manès Sperber

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  • 1978 Astrid Lindgren

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  • 1975 Alfred Grosser

  • 1974 Frère Roger

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  • 1963 Carl Friedrich von Weizsäcker

  • 1962 Paul Tillich

  • 1961 Sarvepalli Radhakrishnan

  • 1960 Victor Gollancz

  • 1959 Theodor Heuss

  • 1958 Karl Jaspers

  • 1957 Thornton Wilder

  • 1956 Reinhold Schneider

  • 1955 Hermann Hesse

  • 1954 Carl Jacob Burckhardt

  • 1953 Martin Buber

  • 1952 Romano Guardini

  • 1951 Albert Schweitzer

  • 1950 Max Tau

Zur ÜbersichtDer Preisträger 1954

Carl Jacob Burckhardt

Der Stiftungsrat für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels wählt den Schweizer Diplomat und Historiker Carl J. Burckhardt zum Träger des Friedenspreises 1954. Die Verleihung findet während der Frankfurter Buchmesse am Sonntag, 26. September 1954, in der Paulskirche statt. Die Laudatio hält Bundespräsident Theodor Heuss.


Carl Jacob Burckhardt
© Archiv Friedenspreis

Begründung der Jury

Carl Jacob Burckhardt,

der als Historiker, Biograph und Essayist die geschichtliche Erscheinung und die menschliche Begegnung in ihrer schöpferischen Bedeutung zu erfassen und mit meisterhafter Gestaltungskraft zu zeitloser Wirksamkeit zu bringen vermag, und der sein weltoffenes Leben als Humanist, Diplomat und Helfer der leidenden Menschheit dem Gedanken des Friedens, der Verständigung unter den Völkern und der Bereitschaft des Herzens verpflichtet hat,

verleiht der Börsenverein Deutscher Verleger- und Buchhändler-Verbände in Ehrfurcht vor seiner Persönlichkeit und seinem Wirken den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

 

Chronik des Jahres 1954

+++ Ende Februar 1954 beschließt der Bundestag die erste Wehrergänzung zum Grundgesetz. Nachdem Bundesrat und die Alliierte Hochkommission zustimmen, ist der Weg zur Gesetzgebung über die Verteidigung einschließlich der Einführung einer allgemeinen Wehrpflicht frei. +++ Ende März erweitert die Sowjetunion die Rechte der DDR und behandelt sie ab sofort als souveränen Staat. Bundesregierung und Bundestag lehnen die Anerkennung der DDR ab und stellen den Alleinvertretungsanspruch der Bundesrepublik fest. +++ Mit der Unterzeichnung der »Pariser Verträge« werden Deutschlands Souveränität, die Wiederbewaffnung sowie die Eingliederung in die WEU und in die NATO festgeschrieben. +++ Der Krieg in Indochina entwickelt sich für Frankreich zu einem Debakel. Die Genfer Indochina-Konferenz sucht schließlich eine dauerhafte Lösung für die zu finden. Der Krieg wird zwar im Juli beendet, doch mit der Teilung in einen kommunistischen Norden und einen von Amerika protegierten Süden Vietnams wird zugleich der Grundstein für den nächsten Konflikt gelegt. +++ Im November bricht der Algerienkrieg aus, der 1962 mit der Unabhängigkeit des Landes endet. +++ Mit einem 3:2-Sieg über Ungarn wird die Bundesrepublik Deutschland am 4. Juli in Bern Fußballweltmeister. +++ In den USA erfinden Wissenschaftler die Silizium-Solarzelle zur direkten Umwandlung von Sonnenlicht in elektrischen Strom. +++ Der Bundestag lehnt es kurz vor Weihnachten ab, unverheirateten Frauen die Anrede »Frau« für den Umgang mit Behörden zuzugestehen. Damit bleibt die Bezeichnung »Fräulein« im amtlichen Sprachgebrauch gültig. +++

 

Biographie Carl Jacob Burckhardt

Der am 10. September 1891 in Basel geborene Carl Jacob Burckhardt stellt sein Leben in den Dienst der Völkerverständigung. Der Sohn einer der bekanntesten Familien der Schweiz tritt deshalb nach seiner Promotion in den diplomatischen Dienst ein. Zwischen 1918 und 1921 ist Burckhardt Attaché bei der Schweizer Gesandtschaft in Wien. Anschließend nimmt er einen Ruf an die Universität Zürich an und unterrichtet von 1932 bis 1945 als ordentlicher Professor für Neuere Geschichte am Genfer Institut des Hautes Etudes.

Als Hoher Kommissar des Völkerbundes in Danzig bemüht er sich in den Jahren 1937–39 vergeblich, den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges zu verhindern. Auch als Präsident des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (1944–47) und als Gesandter der Schweiz in Paris (1945–49) bemüht sich Burckhardt stets um eine europäische Kooperation.

Bereits vor seiner Pensionierung im Jahre 1949 hat Burckhardt zahlreiche historische und biographische Werke verfasst und arbeitet ehrenamtlich in verschiedenen internationalen Organisationen weiter.

Carl Jacob Burckhardt stirbt am 3. März 1974 im Alter von 82 Jahren.

 

Aus der Friedenspreisrede

»Nun ließe sich ein Zustand denken, der hin und wieder den Verfassern der großen Utopien vorschwebte, ein Zustand, in welchem keine Politik mehr nötig wäre, weil die Welt so vertraut, so offen, so heimatlich geworden wäre, keine Furcht und kein Mißtrauen mehr kennen würde.
Aber dies wäre das wiedergewonnene Paradies, und wir sind weiter denn je von ihm entfernt. Weiter denn je, weil wir die Gewohnheit angenommen haben, durch äußere Gegensätze und Spannungen zu leben, weil wir meinen, Kraft und Leistung ließen sich nur aus der sichtbaren Spannung gewinnen. Dies ist eine eminent europäische Haltung, aus europäischen Erfahrungen gewonnen, und sie wird heute auf die ganze Welt übertragen.

Indem wir aber gelernt haben, das Hervorspringen jeder Kraft nur aus äußerlich Gegensätzlichem zu erwarten, haben wir die allerhöchste Kraft verloren, jene, die aus Einklang und Übereinstimmung entsteht. Die Kraft, welche sich nicht an äußeren Widerständen bildet, sondern an der Überwindung unserer inneren Gegensätze, der Gegensätze in uns selbst, die entspannte Kraft auf den höchsten Stufen, die Kraft der Weisheit, von welcher Heraklit gesagt hat, daß sie in uns entstehe durch das Zusammenwirken des Gegensätzlichen in uns selbst wie bei Bogen und Saite der Leier.

Wenige haben den Preis dieser Weisheit, haben dieses entspannte, vertrauensvolle Offensein vor dem angeblich Fremden in so vollständiger Weise erreicht wie der größte Sohn der Stadt Frankfurt, welchen wir sagen hören: ‚Es gibt eine Stufe, wo man gewissermaßen über den Nationen steht und man ein Glück und Wehe seines Nachbarlandes empfindet, als wäre es dem eigenen begegnet.’ So kann nur einer reden, der unendlich sich andrängenden Stoff, das Fremde überwindend, sich einverleibt hat, ihn heimatlich werden ließ. Wir können ihm nur von ferne nachstreben, jeder in seiner Weise.«

 

Laudator Theodor Heuss

 

Bibliographie

"Kleinasiatische Reise" (26)
"Die Schweiz von 14 bis 23" (24)
"Der Schultheiß Charles Neuhaus" (Biographie, 24)
"Zur Entstehung des österreichischen Reichsgedankens" (26)
"Maria Theresia" (Biographie, 35)
"Richelieu" (35)
"Gestalten und Mächte" (41)
"Gespräche in Peking" (42)
"Ein Vormittag beim Buchhändler" (43)
"Erinnerungen an Hugo von Hofmannsthal" (48)
"Reden und Aufzeichnungen" (52)
"Drei Erzählungen" (52)
"Vier historische Betrachtungen" (53)
"Begegnungen" (54)
"Karl V." (54)
"Bildnisse" (58)
"Meine Danziger Mission 1937-39" (60)

Ausschnitt aus Carl Jacob Burckhardts Rede:

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