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  • 2006 Wolf Lepenies

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  • 1992 Amos Oz

  • 1991 György Konrád

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  • 1988 Siegfried Lenz

  • 1987 Hans Jonas

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  • 1985 Teddy Kollek

  • 1984 Octavio Paz

  • 1983 Manès Sperber

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  • 1976 Max Frisch

  • 1975 Alfred Grosser

  • 1974 Frère Roger

  • 1973 The Club of Rome

  • 1972 Janusz Korczak

  • 1971 Marion Gräfin Dönhoff

  • 1970 Alva und Gunnar Myrdal

  • 1969 Alexander Mitscherlich

  • 1968 Léopold Sédar Senghor

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  • 1965 Nelly Sachs

  • 1964 Gabriel Marcel

  • 1963 Carl Friedrich von Weizsäcker

  • 1962 Paul Tillich

  • 1961 Sarvepalli Radhakrishnan

  • 1960 Victor Gollancz

  • 1959 Theodor Heuss

  • 1958 Karl Jaspers

  • 1957 Thornton Wilder

  • 1956 Reinhold Schneider

  • 1955 Hermann Hesse

  • 1954 Carl Jacob Burckhardt

  • 1953 Martin Buber

  • 1952 Romano Guardini

  • 1951 Albert Schweitzer

  • 1950 Max Tau

Zur ÜbersichtDer Preisträger 1958

Karl Jaspers

Der Stiftungsrat für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels wählt den Philosophen und Psychiater Karl Jaspers zum Träger des Friedenspreises 1958. Die Verleihung findet während der Frankfurter Buchmesse am Sonntag, 28. September 1958, in der Paulskirche zu Frankfurt am Main statt. Die Laudatio hält Hannah Arendt.


Karl Jaspers
© Fritz Eschen

Begründung der Jury

Karl Jaspers,

dem großen Philosophen, dem klaren und unbestechlichen Denker unserer Zeit, der erkannte, daß Denken allein nicht das Sein zu fassen vermag, sondern nur das Unvergängliche leitet, was an innerer Wandlung im Menschen durch das Denken geschieht;

dessen Glaube an das Gestaltende zwischen mensch und Mensch die Philosophie formt und dessen lebenswerk Anruf zu geistiger Besinnung des einzelnen wurde,

verleihen wir den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

 

 

Chronik des Jahres 1958

+++ Im Libanon eskalieren 1958 die Spannungen zwischen dem christlichen (etwa 52 Prozent) und dem muslimischen (etwa 48 Prozent) Bevölkerungsteil des Landes, ein Bürgerkrieg bricht aus. +++ Ende März beschließt der Bundestag die Ausstattung der Bundeswehr mit Atomwaffen im Rahmen der NATO, sollte es nicht zu einer allgemeinen Abrüstungsvereinbarung kommen. In mehreren Städten finden Massenkundgebungen gegen die Ausrüstung der Bundeswehr mit Kernwaffen statt. +++ Bei der Verabschiedung des Haushalts im Juli durch den Bundestag ist der Verteidigungsetat erstmals der größte Posten. +++ Die Erklärung der Unabhängigkeit der Republik Guinea ist der Beginn der Auflösung Französisch-Westafrikas und leitet somit das Ende der Kolonialzeit in Afrika ein. +++ Der ungarische Politiker Imre Nagy wird Mitte Juni unter Bruch des ihm gegebenen Versprechens freien Geleits hingerichtet. Sein Tod löst weltweit Empörung aus. +++ Im November kündigt die Sowjetunion das Besatzungsstatut für Groß-Berlin auf und fordert eine entmilitarisierte Freie Stadt West-Berlin innerhalb von sechs Monaten. Im Fall der Nichterfüllung würden die sowjetischen Berlin-Rechte an die DDR übertragen werden. USA, Großbritannien und Frankreich protestieren gegen das Ultimatum: Das Statut der Stadt dürfe nur im Zusammenhang mit der Deutschlandfrage erörtert werden. +++ Der amerikanische Film Der große Diktator (1940), eine Parodie auf Adolf Hitler, wird Ende August erstmals in der Bundesrepublik gezeigt. +++ Der Literaturnobelpreis wird Boris Pasternak zugesprochen. Dessen einziger Roman Doktor Schiwago wird jedoch von der sowjetischen Regierung offiziell als »zu unpolitisch« kritisiert, weshalb er den Preis zurückweisen muss. +++

 

Biographie Karl Jaspers

Der am 23. Februar 1883 in Oldenburg geborene Karl Jaspers lehrt nach seinem Medizin- und Jurastudium an der Heidelberger Universität zunächst Psychiatrie, dann Philosophie. Die Nationalsozialisten verhängen ein Lehrverbot gegen ihn, da er es ablehnt, sich von seiner jüdischen Frau zu trennen.

Gleich nach Kriegsende liest er in Heidelberg über die geistige Situation in Deutschland, ein Thema, das er schon 1931 behandelte. Er engagiert sich als politischer Denker, wobei er sich mit der Frage der deutschen Schuld auseinandersetzt und die Doktrin der atomaren Abschreckung kritisiert. Auch die Bedrohung der menschlichen Freiheit durch die moderne Wissenschaft und durch politische Institutionen wird in seinen Werken ausführlich thematisiert.

1948 entschließt er sich, einem Ruf nach Basel auf den Lehrstuhl für Philosophie zu folgen. Besonders in den 60er Jahren erhebt Jaspers wiederholt seine politische Stimme und fordert eine radikale Umkehr zur Wahrheit und zum Ernst persönlicher Verantwortung. Er stellt die Wiedervereinigungsforderungen infrage, lehnt eine Verjährung der NS-Gewalttaten als Verbrechen gegen die Menschlichkeit und die Menschheit ab und kritisiert die zwischen Ost- und Westdeutschland herrschende Unfähigkeit zum Dialog.

Jaspers gilt als wichtigster Vertreter der Existenzphilosophie und beeinflusst mit seinen Werken die moderne Theologie, Psychiatrie und Philosophie. Er sucht nach einem neuem Ansatz des Denkens, das in eine Sackgasse geraten sei – nach einer Lehre, die dem Menschen und seinen Bedürfnissen gerechter werde als die herrschenden Erkenntnistheorien.

Karls Jaspers stirbt am 26. Februar 1969 im Alter von 86 Jahren.

 

Aus der Friedenspreisrede

»Wollen wir Freiheit und Frieden, so müssen wir in einem Raum der Wahrheit uns begegnen, der vor allen Parteiungen und Standpunkten liegt, vor unseren Entscheidungen und Entschlüssen. Wenn wir frei und wahrhaftig werden, kehren wir ständig zurück in diesen gemeinsamen Raum, in dem wir verbunden bleiben auch dann, wenn wir Gegner sind.

Wahrheit liegt nicht zuerst im Inhalt, sondern in der Weise, wie dieser gedacht, aufgezeigt und diskutiert wird: in der Denkungsart der Vernunft. Diese Wahrheit hört auf in der Vereinzelung trotzigen Soseins und Sowollens, mit der Blindheit der Seele und Taubheit des Geistes, mit dem Abbruch der Kommunikation. Das sehen wir alltäglich. Ein Beispiel waren Erscheinungen beim jüngsten Kampfe gegen die Ausrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen.

Wie man entscheiden solle, darüber sind damals wie heute verschiedene Meinungen sinnvoll möglich. Unvernünftig aber und unwahr ist es, ohne Durchdenken aller Gesichtspunkte in der weltweiten politischen Situation aus ungeklärten Motiven nun, statt unter Bedingungen vielmehr absolutistisch die Ausrüstung mit Atomwaffen abzulehnen oder zu fordern. Was geschieht? Nicht mehr freie Diskussion auf gemeinsamem Boden, vielmehr Verkündigung des einzig möglichen Weges zum Heil unter ausschließlicher Heranziehung der zum Nein oder Ja passenden Gründe.
Es entsteht eine vergiftete Atmosphäre: aus nicht durchhellter Angst, – aus dem Drang, daß endlich etwas geschehen soll, – im Bewußtsein eines ‚wir’, dem nur eine Meinung wahr und jede andere empörend ist, – aus verneinenden Antrieben: es muß anders werden –, aus Ressentiments. Man steht wie vor einer Wand, gegen die man redet, ohne gehört zu werden.«

 

Laudator Hannah Arendt

 

Bibliographie

"Allgemeine Psychopathologie" (1913)
"Psychologie der Weltanschauungen" (1919 - das Buch, das die Ära der Existenzphilosophie einleitete)
"Strindberg und van Gogh" (1922)
"Die Idee der Universität" (1923)
"Die geistige Situation der Zeit" (1931)
"Max Weber, Politiker, Forscher, Philosoph" (1932)
"Philosophie" ( Bd 1: Philosophische Weltorientierung. Bd 2: Existenzerhaltung, Bd 3: Metaphysik, 1937)
"Vernunft und Existenz" (1935)
"Nitzsche: Einführung in das Verständnis seines Philosophierens" (1936)
"Descartes und die Philosophie" (1937)
"Existenzphilosophie" (1938),
"Nietzsche und das Christentum" (1946)
"Die Schuldfrage" (1946)
"Vom europäischen Geist" (1946),
"Von der Wahrheit" (1948)
"Der philosophische Glaube" (1948)
"Vom Ursprung und Ziel der Geschichte" (1949)
"Einführung in die Philosophie" (1950)
"Vernunft und Widervernunft in unserer Zeit" (1950)
"Rechenschaft und Ausblick", Reden und Aufsätze (1951)
"Über das Tragische" (1952)
"Lionardo als Philosoph" (1953)
"Die Frage der Entmythologisierung" (1954)
"Wesen und Kritik der Psychotherapie" (1957 - allgemeinverständliche Klärung der Begriffe Psychotherapie, Psychiatrie und Psychopathologie)
"Schelling, Größe und Verhängnis" (1955)
"Die großen Philosophen" (1956)
"Die Atombombe und die Zukunft des Menschen" (1958)
"Freiheit und Wiedervereinigung" (1961)
"Die Idee der Universität" (1961)
"Der philosophische Glaube angesichts der Offenbarung" (1962)
"Lebensfragen der deutschen Politik (1963)
"Kleine Schule des philosophischen Denkens" (1964)
"Nikolaus Cusanus" (1964)
"Die maßgebenden Menschen. Sokrates - Buddha - Konfuzius - Jesus" (1964)
"Hoffnung und Sorge" (1965)
"Aus dem Ursprung denkende Metaphysiker" (1966)
"Wohin treibt die Bundesrepublik" (1966)

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