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  • 2017 Margaret Atwood

  • 2016 Carolin Emcke

  • 2015 Navid Kermani

  • 2014 Jaron Lanier

  • 2013 Swetlana Alexijewitsch

  • 2012 Liao Yiwu

  • 2011 Boualem Sansal

  • 2010 David Grossman

  • 2009 Claudio Magris

  • 2008 Anselm Kiefer

  • 2007 Saul Friedländer

  • 2006 Wolf Lepenies

  • 2005 Orhan Pamuk

  • 2004 Péter Esterházy

  • 2003 Susan Sontag

  • 2002 Chinua Achebe

  • 2001 Jürgen Habermas

  • 2000 Assia Djebar

  • 1999 Fritz Stern

  • 1998 Martin Walser

  • 1997 Yasar Kemal

  • 1996 Mario Vargas Llosa

  • 1995 Annemarie Schimmel

  • 1994 Jorge Semprún

  • 1993 Friedrich Schorlemmer

  • 1992 Amos Oz

  • 1991 György Konrád

  • 1990 Karl Dedecius

  • 1989 Václav Havel

  • 1988 Siegfried Lenz

  • 1987 Hans Jonas

  • 1986 Wladyslaw Bartoszewski

  • 1985 Teddy Kollek

  • 1984 Octavio Paz

  • 1983 Manès Sperber

  • 1982 George F. Kennan

  • 1981 Lew Kopelew

  • 1980 Ernesto Cardenal

  • 1979 Yehudi Menuhin

  • 1978 Astrid Lindgren

  • 1977 Leszek Kolakowski

  • 1976 Max Frisch

  • 1975 Alfred Grosser

  • 1974 Frère Roger

  • 1973 The Club of Rome

  • 1972 Janusz Korczak

  • 1971 Marion Gräfin Dönhoff

  • 1970 Alva und Gunnar Myrdal

  • 1969 Alexander Mitscherlich

  • 1968 Léopold Sédar Senghor

  • 1967 Ernst Bloch

  • 1966 Augustin Kardinal Bea und Willem A. Visser 't Hooft

  • 1965 Nelly Sachs

  • 1964 Gabriel Marcel

  • 1963 Carl Friedrich von Weizsäcker

  • 1962 Paul Tillich

  • 1961 Sarvepalli Radhakrishnan

  • 1960 Victor Gollancz

  • 1959 Theodor Heuss

  • 1958 Karl Jaspers

  • 1957 Thornton Wilder

  • 1956 Reinhold Schneider

  • 1955 Hermann Hesse

  • 1954 Carl Jacob Burckhardt

  • 1953 Martin Buber

  • 1952 Romano Guardini

  • 1951 Albert Schweitzer

  • 1950 Max Tau

Zur ÜbersichtDer Preisträger 1960

Victor Gollancz

Der Stiftungsrat für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels wählt den englischen Verleger und Autor Victor Gollancz zum Träger des Friedenspreises 1960. Die Verleihung findet während der Frankfurter Buchmesse am Mittwoch, 21. September 1960, in der Paulskirche zu Frankfurt statt. Die Laudatio hält Bundespräsident Heinrich Lübke.


Victor Gollancz
© Archiv Friedenspreis

Begründung der Jury

Dem unermüdlichen Rufer im Streit um die Rechte des Menschen, der in Wort und Schrift sich furchtlos einetzte für soziale Gerechtigkeit und für den Frieden unter den Völkern,

Victor Gollancz,

dem opferwilligen, bescheidenen Helfer, der dazu beigetragen hat, dem deutschen Volke in schwerer Bedrängnis den Glauben an die Verantwortung des Einen für den Anderen un der Welt zu erhalten, verleihen wir den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

 

 

Chronik des Jahres 1960

+++ Nach einer Schätzung liegt 1960 die nukleare Sprengkraft von USA und UdSSR bei etwa 4 Tonnen TNT pro Kopf der Erdbevölkerung. +++ Im Laufe des Jahres entlässt Frankreich alle west- und zentralafrikanischen Kolonien in die Unabhängigkeit. +++ Der israelische Ministerpräsident Ben Gurion gibt im März bekannt, dass der israelische Geheimdienst den ehemaligen SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann verhaftet hat. +++ Nach dem Tod von Wilhelm Pieck am 7. September wird das Amt des Staatspräsidenten der DDR abgeschafft und durch ein kollektives Staatsoberhaupt, den »Staatsrat der DDR« ersetzt. Erster »Staatsratsvorsitzender« wird Walter Ulbricht. +++ Im November gewinnt John F. Kennedy die US-Präsidentschaftswahlen. In seiner Antrittsrede fordert er persönliche Initiative von jedem Einzelnen im Kampf gegen Armut, Krankheit und Tyrannei. +++ In Frankfurt am Main wird Ende März das erste Autokino der Bundesrepublik eröffnet. +++ Das Jugendarbeitsschutzgesetz tritt im August in Kraft. Das Mindestalter für eine Beschäftigung wird auf 14 Jahre festgelegt und die Akkord- und Fließbandarbeit für Jugendliche verboten. +++ Unter dem Namen »Enovid« bietet eine US-amerikanische Firma die erste Antibabypille zur Empfängnisverhütung an. +++

 

Biographie Victor Gollancz

Der am 9. April 1893 in London geborene Victor Gollancz studiert Theologie und schließt sich bereits in jungen Jahren der Labour Party an. Nach jahrelanger Lehrtätigkeit lernt er bei einem der führenden Verleger Englands das Verlagswesen, gründet 1927 einen Verlag und hat mit seinen “Yellow Books” sogleich großen Erfolg. 1938 gründet er den “Left Book Club”, der zu einer wichtigen Plattform für sozialistisch orientierte Autoren wird. Als überzeugter Sozialist gerät er in das Dilemma, durch die politischen Bücher, die er herausgibt, immer wohlhabender zu werden. Einen Großteil seines Geldes gibt er daher für wohltätige Zwecke aus.

Während der Zeit des Nationalsozialismus hilft Gollancz, Sohn einer polnischjüdischen Familie und entschiedener Pazifist, deutschen Juden bei der Flucht. Er versucht, England und die damalige Labour-Partei über Hitler und seine Ziele aufzuklären und bricht 1939, als Stalin sich mit Hitler verbündet, mit dem Kommunismus.

Nach Kriegsende setzt er sich sofort dafür ein, den hungernden Menschen in Deutschland zu helfen, und spricht sich gegen die These einer Kollektivschuld aller Deutschen aus. Er wird zum Initiator der Organisation “Save Europe Now”. Wegen seiner nachsichtigen Haltung Deutschland gegenüber wird er in seiner Heimat angefeindet.

Victor Gollancz stirbt am 8. Februar 1967 im Alter von 73 Jahren.

 

Aus der Friedenspreisrede

»Ich erinnere mich so lebhaft, als würde es sich soeben zugetragen haben, an die immer stärker durchdringende Erleuchtung, die mich nach Hitlers Machtergreifung in Deutschland überkam.
Wenn ich im Rundfunk seine gellenden, bösartigen Schreie hörte, bebte ich in Schaudern und Entsetzen vor der Brutalität, dem Rassenstolz, der Verachtung, die sich in dieser Orgie des Hasses offenbarte, zurück; wenn ich in der Behaglichkeit meines Londoner Heimes von den unsagbaren Grausamkeiten las – Grausamkeiten in den Gefängnissen und Konzentrationslagern gegen gute und anständige Männer und Frauen, auch gute und anständige Deutsche; und wenn ich schließlich las, daß die menschlichen Körper von Millionen meiner Brüder – meiner Brüder, nicht allein weil sie Juden waren, sondern weil sie Menschen waren – erst gefoltert, dann zu Asche verbrannt wurden, dann wußte ich, was mir immer nahezu bewußt gewesen war – nämlich: soll zu dieser Untat jene hinzugefügt werden, die, so gering sie auch sein mag, man selbst verübt, oder sollte man nicht mit jeder Faser seines Willens dem Übel sein Gegenteil entgegensetzen – soviel Liebe, soviel Güte, soviel Verzeihen, als in einem nur schlummert?

Auf diese Frage gab es nur eine einzig mögliche Antwort, eine Antwort, die sich nicht von einem logischen Argument ableitete, sondern die aus der Tiefe der menschlichen Natur kam, die uns allen gemeinsam ist – einer Natur, in die Gott eine Spur seines eigenen Wesens eingepflanzt hat.
Und dann wurde mir noch etwas anderes klar. Ich erkannte, gäbe es mehr Güte und Liebe in der Welt, Hitler wäre vielleicht nicht ein Hitler geworden; er wurde, was das Leben und die Welt aus ihm gemacht hatten.

Ich erinnerte mich an die Worte William Blakes: ‚Every criminal was once an Infant Joy’ – jeder Verbrecher war als ein Kind die fleischgewordene Freude. Ich konnte Hitler nicht hassen. Und von der Tiefe meines Herzens sage ich nun in dieser Halle, die einst ein Gotteshaus war: ‚Möge seine gequälte Seele in Frieden ruhen.«

 

Laudator Bundespräsident Heinrich Lübke

 

Bibliographie

 

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