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  • 2007 Saul Friedländer

  • 2006 Wolf Lepenies

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  • 2003 Susan Sontag

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  • 2001 Jürgen Habermas

  • 2000 Assia Djebar

  • 1999 Fritz Stern

  • 1998 Martin Walser

  • 1997 Yasar Kemal

  • 1996 Mario Vargas Llosa

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  • 1994 Jorge Semprún

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  • 1992 Amos Oz

  • 1991 György Konrád

  • 1990 Karl Dedecius

  • 1989 Václav Havel

  • 1988 Siegfried Lenz

  • 1987 Hans Jonas

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  • 1985 Teddy Kollek

  • 1984 Octavio Paz

  • 1983 Manès Sperber

  • 1982 George F. Kennan

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  • 1980 Ernesto Cardenal

  • 1979 Yehudi Menuhin

  • 1978 Astrid Lindgren

  • 1977 Leszek Kolakowski

  • 1976 Max Frisch

  • 1975 Alfred Grosser

  • 1974 Frère Roger

  • 1973 The Club of Rome

  • 1972 Janusz Korczak

  • 1971 Marion Gräfin Dönhoff

  • 1970 Alva und Gunnar Myrdal

  • 1969 Alexander Mitscherlich

  • 1968 Léopold Sédar Senghor

  • 1967 Ernst Bloch

  • 1966 Augustin Kardinal Bea und Willem A. Visser 't Hooft

  • 1965 Nelly Sachs

  • 1964 Gabriel Marcel

  • 1963 Carl Friedrich von Weizsäcker

  • 1962 Paul Tillich

  • 1961 Sarvepalli Radhakrishnan

  • 1960 Victor Gollancz

  • 1959 Theodor Heuss

  • 1958 Karl Jaspers

  • 1957 Thornton Wilder

  • 1956 Reinhold Schneider

  • 1955 Hermann Hesse

  • 1954 Carl Jacob Burckhardt

  • 1953 Martin Buber

  • 1952 Romano Guardini

  • 1951 Albert Schweitzer

  • 1950 Max Tau

Zur ÜbersichtDer Preisträger 1967

Ernst Bloch

Der Stiftungsrat Friedenspreis des Deutschen Buchhandels hat den deutschen Philosophen Ernst Bloch zum Träger des Friedenspreises 1967 gewählt. Die Verleihung findet während der Frankfurter Buchmesse am Sonntag, 15. Oktober 1967, in der Paulskirche statt. Laudator ist Werner Maihofer.


Ernst Bloch
© Werner Goebel

Begründung der Jury

Der Stiftungsrat für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels hat den Philosophen

Ernst Bloch

zum Träger des Friedenspreises 1967 gewählt.

Der 1885 in Ludwigsburg geborene Gerlehrte wird für sein Lebenswerk als Schriftsteller und Philosoph geehrt, das als großer Entwurf einer Hoffnungsphilosophie gelten darf. Getrieben von Friedenssehnsucht, verließ er 1917 Deutschland, um von der Schweiz aus ungehindert für die Verwirklichung seiner Ideale eintreten zu können.

Sein zwischen immer neuer Hoffnung und Enttäuschung verlaufener Lebensweg ließ ihn zunächst nur eine kurze Spanne zwischen den beiden Weltkriegen in Deutschland arbeiten und wirken. 1933 zum Verlassen der Heimat gezwungen, lebte er, nach Zwischenaufenthalten in mehreren europäischen Ländern, elf Jahre in den Vereinigten Staaten von Amerika. Hoffnungsvoll und in der sicheren Erwartung ungehinderter Wirkungsmöglichkeit folgte er 1949 einem Ruf an die Universität Leipzig. In seinem humanitären Idealismus wiederum zutiefst enttäuscht, aber ohne Resignation, ging er 1961 an die Universität Tübingen, die ihm noch einmal die Möglichkeit des Lehrens bot.

Blochs aus dem Geist der Utopie entwickelte Philosophie der Hoffnung gilt der Zukunft. Sie ist eine Philosophie des Glaubens an den Menschen und vor allem der Hoffnung auf seine Selbstbesinnung – eine Selbstbesinnung auf sein Recht, seine Pflicht und seine Kraft zu einer neuen Ordnung des Zusammenlebens der Völker in einer Welt des Friedens, der Freiheit und der Menschenwürde.

 

Chronik des Jahres 1967

+ + +  Die Volkskammer der DDR verabschiedet im Februar 1967 das Gesetz über die Staatsangehörigkeit und proklamiert damit eine eigenständige Nation.  + + +  In der Nähe von Cornwall läuft im März der Supertanker »Torrey Canyon« auf ein Riff und verursacht die erste große Ölkatastrophe vor einer europäischen Küste.  + + +  Im April werden im früheren Salzbergwerk Asse zum ersten Mal in der Bundesrepublik radioaktive Abfälle gelagert.  + + +  Altbundeskanzler Konrad Adenauer stirbt am 19. April im Alter von 91 Jahren.  + + +  Mit dem Tod des Studenten Benno Ohnesorg, der am 2. Juni bei einer Demonstration gegen den Besuch des persischen Schahs von einem für – wie sich später herausstellt – die Stasi arbeitenden Polizisten erschossen wird, beginnt die Studentenrevolte. Sie richtet sich als außerparlamentarische Opposition (APO) mit Rudi Dutschke an der Spitze gegen die US-Intervention in Vietnam, gegen die geplanten Notstandsgesetze und tritt für eine basisdemokratische Reform des Hochschulwesens ein.  + + +  Israel schlägt im Juni in einem Sechs-Tage-Krieg seine arabischen Nachbarn und besetzt die Sinai-Halbinsel, Teile Jordaniens und Alt-Jerusalems. Die von der Arbeiterpartei geführte israelische Regierung vereinigt formell beide Teile Jerusalems.  + + +  Der Guerilla-Kämpfer Ernesto »Che« Guevara Serna stirbt am 9. Oktober bei einem Gefecht mit bolivianischen Regierungstruppen.  + + +  Im November 1967 werden erstmals die US-Verluste in Vietnam seit Ausbruch des Krieges 1961 bekannt: 15 058 Tote und 109 527 Verwundete.  + + +  

 

Biographie Ernst Bloch

Ernst Bloch, geboren am 8. Juli 1885 in Ludwigshafen am Rhein, studiert in München und Würzburg Philosophie. In den Jahren nach seiner Promotion schließt er Freundschaft mit Georg Lukács und verkehrt im Heidelberger Kreis um Max Weber.

Während des Ersten Weltkriegs, den Bloch als deutschen Eroberungskrieg empfindet, geht er von 1917 bis 1919 in die Schweiz. Dort erscheint 1918 sein Frühwerk Geist der Utopie. In den 1920er Jahren lebt Bloch als Autor in Berlin und pflegt regen Austausch mit Künstlern und Philosophen wie Theodor W. Adorno, Bertolt Brecht, Otto Klemperer und Kurt Weill. 1933 wird er ins Schweizer Exil gezwungen und lebt ab 1938 in den USA. Hier entsteht das Manuskript zu seinem Hauptwerk Das Prinzip Hoffnung.

Nach dem Krieg lehrt Bloch an der Leipziger Universität. Nach dem ungarischen Volksaufstand 1956 geht er auf kritische Distanz zum SED-Regime und verlässt, nach erzwungener Emeritierung, die DDR, um ab 1961 in Tübingen zu lehren. Bloch, der Begründer einer »neuen Metaphysik«, gilt als einer der geistigen Wegbereiter der Studentenbewegung in den späten 60er Jahren, doch ohne deren dogmatische Züge. Eine enge Freundschaft verbindet ihn mit Rudi Dutschke, den er als möglichen Nachfolger für die Entwicklung seiner gesellschaftspolitischen Ideen sieht.

Bis zuletzt tätig, stirbt Ernst Bloch am 4. August 1977 im Alter von 92 Jahren.

 

Aus der Friedenspreisrede

»Denn Wahrheit, dies ernsteste Wort, ist mit dem Vorhandenen nicht erschöpft. Tausend Jahre Unrecht machen keine Stunde Recht, tausendfach reproduzierter Krieg entwertet nicht, was ihn endlich aufheben will und könnte.

Gewiß, dasjenige was der Fall ist, dies durch Beobachtung übermittelt Gegebene muß in der Forschung immer wieder verhört werden. Doch sobald sich ein Wissen nicht nur kontemplativ verhält, vor stillgelegtem Gegenüber, geht am Gegebenen, dem mit bezeichnender Vergangenheitsform Faktum genannten, sein unterschlagenes Werden, unabgeschlossenes Fieri auf. Tatsachen geben sich dann als angehaltene Prozeßmomente, und selbst an ihnen als Produkt ist das Produzierende nicht zu vergessen, mit Prozeßhorizont aus noch unverwirklichter Möglichkeit.

Das am deutlichsten und dringendsten in der sozial-kulturellen Welt, der von Menschen und ihrem abzielenden Willen hergestellten, sich selber werthaft kritisierenden. Daß Weltgeschichte Weltgericht sei und nicht nur eine Galerie schön vollbrachter Werke, hat von hier aus seinen Sinn, seinen unfaktischen, also kritisch-utopischen, wirklich gewissenhaften Sinn.«

 

Laudator Werner Maihofer

 

Bibliographie

Auszug

"Geist der Utopie" (1918, erw. Aufl. 1923)
"Thomas Münzer als Theologe der Revolution" (1921)
"Spuren" (1930)
"Erbschaft dieser Zeit" (1935)
"Subjekt - Objekt. Erläuterungen zu Hegel" (1951)
"Das Prinzip Hoffnung" (1954-1959)
"Naturrecht und menschliche Würde" (1961)
"Tübinger Einleitung in die Philosophie" (1963)
"Atheismus im Christentum" (1968)