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  • 1978 Astrid Lindgren

  • 1977 Leszek Kolakowski

  • 1976 Max Frisch

  • 1975 Alfred Grosser

  • 1974 Frère Roger

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  • 1972 Janusz Korczak

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  • 1970 Alva und Gunnar Myrdal

  • 1969 Alexander Mitscherlich

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  • 1964 Gabriel Marcel

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  • 1962 Paul Tillich

  • 1961 Sarvepalli Radhakrishnan

  • 1960 Victor Gollancz

  • 1959 Theodor Heuss

  • 1958 Karl Jaspers

  • 1957 Thornton Wilder

  • 1956 Reinhold Schneider

  • 1955 Hermann Hesse

  • 1954 Carl Jacob Burckhardt

  • 1953 Martin Buber

  • 1952 Romano Guardini

  • 1951 Albert Schweitzer

  • 1950 Max Tau

Zur ÜbersichtDer Preisträger 1972

Janusz Korczak

1972 wird der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels zum ersten Mal posthum verliehen. Der Stiftungsrat wählt den polnischen Arzt, Kinderbuchautor und Pädagogen ]anusz Korczak zum Träger des Friedenspreises. Die Verleihung findet während der Frankfurter Buchmesse am Sonntag, 1. Oktober 1972, in der Paulskirche zu Frankfurt am Main statt. Die Laudatio hält Hartmut von Hentig. Den Preis nimmt Alicja Szalazak stellvertretend entgegen.


1972 Janusz Korczak

Begründung der Jury

Der Börsenverein verleiht seinen Friedenspreis 1972 posthum an

Janusz Korczak.

Er ehrt damit einen Mann, der gleichermaßen als Arzt, Erzieher und Schriftsteller für das Kind und seine Rechte eingetreten ist. Die seine Erziehungsarbeit darstellenden und begründeten Werke antworten einer ungerechten, unglücklichen, friedlosen und doch zu mehr Gerechtigkeit, Glück und Frieden fähigen Welt.

Den Erwachsenen hat er die Veränderung dieser Welt zugemutet; den Kindern hat er sie zugetraut: an sie wenden sich seine liebenswürdigsten und zugleich kühnsten Bücher. Er hat der alten Sehnsucht nach einer neuen Ordnung zwischen den Generationen und nach Frieden unter den Menschen jeglicher Art und Herkunft Kraft und eine bis heute wirkende Chance gegeben.

Seine Gedanken hat er nicht nur in Wort und Schrift vetreten, sondern er ist für sie mit dem Leben eingestanden: den ihm anvertrauten Kindern hat er auch angesichts des Todes die Treue gehalten.

 

Chronik des Jahres 1972

+++ Das Jahr 1972 beginnt mit dem »Radikalenerlass«, der ein Berufsverbot für mutmaßliche Verfassungsfeinde im öffentlichen Dienst vorsieht. Der Schriftsteller Heinrich Böll warnt vor einer Überreaktion des Staates und kritisiert die Berichterstattung in der Bild-Zeitung. Er gerät selbst in den Verdacht, ein »Sympathisant« der Terroristen zu sein. In Stockholm wird er im Dezember mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. +++ Im nordirischen Londonderry eröffnen Ende Januar britische Soldaten das Feuer auf katholische Bürgerrechtler, die an einer verbotenen Demonstration teilnehmen. Dabei werden 13 Zivilisten getötet. Die »Irisch-Republikanische Armee« (IRA) verstärkt seit diesem »Bloody Sunday« ihre Terroranschläge. +++ US-Präsident Nixon kündigt im Mai die Verminung der nordvietnamesischen Häfen an. Eine Woche darauf verübt die RAF einen tödlichen Bombenanschlag auf das US-Korps in Frankfurt. Ende Mai folgt ein Anschlag auf das Hauptquartier der US-Armee in Heidelberg, bei dem drei Soldaten sterben. +++ Andreas Baader, Holger Meins und Jan Carl Raspe werden am 1. Juni nach einem Schusswechsel mit der Polizei festgenommen, in den folgenden zwei Wochen verhaftet die Polizei auch Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof. +++ Die Olympischen Spiele in München werden im September von einem Terroranschlag überschattet: Mitglieder der palästinensischen Organisation »Schwarzer September« überfallen die Unterkunft des israelischen Teams, töten zwei Menschen und nehmen die Sportler als Geiseln. Sie fordern die Freilassung von 200 palästinensischen Gefangenen in Israel. Bei der Befreiungsaktion sterben fünf Terroristen und alle neun Geiseln. Ende Oktober entführen arabische Terroristen eine Lufthansa-Maschine. Die an Bord befindlichen Passagiere werden gegen drei in München inhaftierte Attentäter ausgetauscht. In Israel kommt es daraufhin zu heftigen antideutschen Reaktionen. +++ Bundeskanzler Willy Brandt stellt Ende September die Vertrauensfrage. Bei den vorgezogenen Bundestagswahlen wird die SPD erstmals stimmstärkste Partei, Willy Brandt wird erneut Bundeskanzler einer SPD / FDP-Koalition. +++

 

Biographie Janusz Korczak

Janusz Korczak wird am 22. Juli 1878 in Warschau als Henryk Goldszmit geboren. Schon früh beginnt er, Erzählungen zu schreiben. Er studiert Medizin, lässt sich als Arzt nieder und beginnt mit anfangs großem Erfolg Kinderbücher wie Kinder der Straße, König Hänschen i. oder Firlefanz und Flitter zu schreiben.

Bereits 1911 gibt er seine Praxis auf, um elternlose Kinder medizinisch zu versorgen und übernimmt schließlich die Leitung eines jüdischen Waisenhauses in Warschau. Nach dem Ersten Weltkrieg, den er als Militärarzt an der Front erlebt, gründet er ein Heim für verwahrloste und verwaiste Kinder mit dem Namen »Unser Haus«, in dem er ein eigenes Erziehungssystem mit Kinderparlament und Gemeinschaftserziehung verwirklicht.

Mit seinen jüdischen Waisenkindern muss er im Oktober 1940 ins Warschauer Ghetto umsiedeln. Ab dem 22. Juli 1942 führt die SS die »Aktion zur Beschäftigung nichtarbeitender Ghetto-Juden« durch. In diesem Zusammenhang werden auch die Waisenkinder ›evakuiert‹.

Korczak selbst hätte als Arzt weiterarbeiten können, doch er schließt sich seinen 200 jüdischen Kindern an. In Treblinka angekommen werden er und seine Kinder an einem unbekannten Tag im Jahr 1942 vergast.

 

Aus der Friedenspreisrede

»Meine Damen und Herren, die posthume Verleihung des Friedenspreises an Janusz Korczak ist Ausdruck dieser Sehnsucht aller Menschen nach einem besseren Leben, einem schöneren Leben, in dem die Kinder der ganzen Welt, aller Rassen, Religionen und Nationen, heute und für immer frei gedeihen können, ohne zu wissen, was Hunger, Mord und Krieg bedeuten; nach einem Leben, in dem das Waisenkind in jedem Menschen einen Vater und eine Mutter finden kann, die sich freundlich seiner annehmen, ihm zuhören und ihm helfen.

Der Friedenspreis für Janusz Korczak ist eine Huldigung für den großen Pädagogen, der seine Pflicht gegenüber den ihm anvertrauten Kindern so verstanden hat, wie auf der ganzen Welt Väter und Mütter sie verstehen, für die das Kind der größte Schatz ist.

Der Alte Doktor besiegelte die Wahrheiten seines Lebens mit dem freiwilligen Tod. Er hätte sein Leben retten können. Doch zog er vor, die Menschenwürde und das Vertrauen der Kinder zu seinem Erzieher zu retten. Hätte er denn diese Waisen verlassen können, die ahnungslos in den Tod gingen?

Sein Entschluß war die natürliche Konsequenz der Grundsätze, nach denen er gelebt und die er seinen Zöglingen vermittelt hatte. Darin liegt die Größe dieses Menschen.« (Alicja Szalazak)

 

Laudatio Hartmut von Hentig

 

Bibliographie

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