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  • 2008 Anselm Kiefer

  • 2007 Saul Friedländer

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  • 2004 Péter Esterházy

  • 2003 Susan Sontag

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  • 2001 Jürgen Habermas

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  • 1999 Fritz Stern

  • 1998 Martin Walser

  • 1997 Yasar Kemal

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  • 1994 Jorge Semprún

  • 1993 Friedrich Schorlemmer

  • 1992 Amos Oz

  • 1991 György Konrád

  • 1990 Karl Dedecius

  • 1989 Václav Havel

  • 1988 Siegfried Lenz

  • 1987 Hans Jonas

  • 1986 Wladyslaw Bartoszewski

  • 1985 Teddy Kollek

  • 1984 Octavio Paz

  • 1983 Manès Sperber

  • 1982 George F. Kennan

  • 1981 Lew Kopelew

  • 1980 Ernesto Cardenal

  • 1979 Yehudi Menuhin

  • 1978 Astrid Lindgren

  • 1977 Leszek Kolakowski

  • 1976 Max Frisch

  • 1975 Alfred Grosser

  • 1974 Frère Roger

  • 1973 The Club of Rome

  • 1972 Janusz Korczak

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  • 1970 Alva und Gunnar Myrdal

  • 1969 Alexander Mitscherlich

  • 1968 Léopold Sédar Senghor

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  • 1964 Gabriel Marcel

  • 1963 Carl Friedrich von Weizsäcker

  • 1962 Paul Tillich

  • 1961 Sarvepalli Radhakrishnan

  • 1960 Victor Gollancz

  • 1959 Theodor Heuss

  • 1958 Karl Jaspers

  • 1957 Thornton Wilder

  • 1956 Reinhold Schneider

  • 1955 Hermann Hesse

  • 1954 Carl Jacob Burckhardt

  • 1953 Martin Buber

  • 1952 Romano Guardini

  • 1951 Albert Schweitzer

  • 1950 Max Tau

Zur ÜbersichtDer Preisträger 1983

Manès Sperber

1983 wird der ukrainische Schriftsteller und Philosoph Manès Sperber (1905-1984) mit dem Friedenspreis ausgezeichnet. Die Verleihung findet am Sonntag, den 16. Oktober 1983, in der Paulskirche zu Frankfurt am Main statt. Alfred Grosser verliest für den erkrankten Friedenspreisträger die Rede. Die Laudatio hält Siegfried Lenz.


Manès Sperber
© Peter Peitsch / peitschphoto.com

Begründung der Jury

Den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verleiht der Börsenverein im Jahre 1083 Manès Sperber, dem Schriftsteller, der den Weg durch die ideologischen Verirrungen des Jahrhunderst mitgegangen ist und sich von ihnen befreite.

Er hat sein Leben lang die Unabhängigkeit seinen eigenen Urteils bewahrt und, unfähig zur Gleichgültigkeit, den Mut aufgebracht, jene nicht existente Brücke zu betreten, die sich nur vor dem ausbreitet, der seinen Fuß über den Abgrund setzt. Wir ehren Manès Sperber in Dankbarkeit.

 

Chronik des Jahres 1983

+++ Bei den vorgezogenen Bundestags-Neuwahlen im März 1983 erreicht die CDU / CSU mit der FDP die Mehrheit. Erstmals ziehen die Grünen mit 5,6 Prozent der Stimmen in den Bundestag ein. +++ Ende April kündigt das Magazin Stern die Entdeckung und Veröffentlichung von Tagebüchern Adolf Hitlers an und beginnt mit deren Abdruck. Konrad Kujau, der dem Magazin die Hitler-Tagebücher verkauft hat, wird Ende Mai festgenommen und gesteht, sie selbst geschrieben zu haben. +++ Das Jahr steht im Zeichen der weltweiten Friedensbewegung, denn die politische Situation wird zunehmend vom atomaren Wettrüsten zwischen den USA und der UdSSR beherrscht. Ende April wenden sich die katholischen Bischöfe der Bundesrepublik mit dem Hirtenwort »Gerechtigkeit schafft Frieden« gegen den Rüstungswettlauf. In der Bundesrepublik beteiligen sich an den Ostermärschen bis zu 700 000 Rüstungsgegner. Den Höhepunkt der Friedensbewegung bilden Ende Oktober eine 108 Kilometer lange »Menschenkette« sowie eine Großkundgebung in Bonn. Im November treffen in der Bundesrepublik die ersten Pershing-ii-Raketen im US-Militärdepot Mutlangen ein. +++ Am 1. Mai finden in mehreren polnischen Städten Demonstrationen für die verbotene Gewerkschaft Solidarnoœæ statt. Gegen die Demonstranten geht die Polizei mit Wasserwerfern und Schlagstöcken vor. Gewerkschaftsführer Lech Walesa wird im Dezember mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. +++ Der Schweizer Künstler Harald Nägeli, der »Sprayer von Zürich«, wird Ende August festgenommen. Die Behörden der Bundesrepublik liefern Nägeli, der mit auf Häuserfassaden gesprayten Strichmännchen gegen die Kälte der Betonstädte protestiert, aber seine Graffiti auch in Venedig hinterlässt, nicht aus, sondern setzen ihn wieder auf freien Fuß. +++ Sowjetische Abfangjäger schießen am 1. September eine südkoreanische Verkehrsmaschine ab, die mit einem US-Aufklärer verwechselt wird, als sie in den sowjetischen Luftraum eindringt. Dabei kommen 269 Menschen ums Leben. +++ Im Oktober wird bekannt gegeben, dass ein Drittel des deutschen Waldes erkrankt ist. Die Schäden sollen sich gegenüber 1982 vervierfacht haben. +++

 

Biographie Manès Sperber

Manès Sperber, geboren am 12. Dezember 1905 in Sabolotow / Ukraine, wird schon im Alter von 16 Jahren, nach der Flucht der Familie nach Wien, durch die Bekanntschaft mit Alfred Adler, dem Begründer der vergleichenden Individualpsychologie, geprägt. Er entscheidet sich für ein Psychologiestudium und beschäftigt sich fortan vor allem mit der Frage nach Macht und Gewalt.

Zwischen 1927 und 1933 lehrt der überzeugte Kommunist Sperber an verschiedenen Hochschulen in Berlin. 1933 muss er vor den einsetzenden Judenverfolgungen in Deutschland fliehen und gelangt über Jugoslawien und die Schweiz nach Paris. Angesichts der stalinistischen Säuberungsprozesse wendet er sich 1937 vom Marxismus-Leninismus ab. Als französischer Soldat nimmt er am Zweiten Weltkrieg teil und flüchtet nach der Niederlage Frankreichs in die Schweiz.

1950 erscheint sein erster Roman Der verbrannte Dornbusch, der seinen literarischen Ruhm begründet. Als skeptischer Humanist und unerbittlicher Kritiker totalitärer Systeme wird Sperber einem großen Publikum bekannt. In seinem 1972 veröffentlichten Buch Leben in dieser Zeit. 7 Fragen zur Gewalt lehnt er alle Formen politischer Gewalt als untaugliche Lösungsversuche ab.

Manès Sperber stirbt am 5. Februar 1984 in Paris im Alter von 78 Jahren.

 

Aus der Friedenspreisrede

»Wer jedoch glaubt und glauben machen will, daß ein waffenloses, neutrales, kapitulierendes Europa für alle Zukunft des Friedens sicher sein kann, der irrt sich und führt andere in die Irre.
Wer für die Kapitulation vor jenem bedrohlichen Imperium eintritt, das seit dem Zweiten Weltkrieg mehrere europäische Staaten in Satelliten verwandelt hat, irrt sich und führt andere in die Irre.

Für einen Europäer meiner Generation, aber auch für die Nachgeborenen, kann kein Zweifel darüber bestehen, daß Europa sich und zugleich seine unübertrefflichen Werte retten kann, wenn es föderativ vereint und, statt ein Zankapfel zwischen zwei Supermächten zu sein, selbst zu einer Großmacht wird, die weder eroberungs- noch rachsüchtig, jedoch nur aufs äußerste entschlossen bleibt, durch eigene, zulängliche Abwehrkräfte jene abzuschrecken, die sich durch seine Schwäche und den eigenen Hegemonismus ermutigt fühlen können, sich Europas zu bemächtigen.«

 

Laudator Siegfried Lenz

 

Bibliographie

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