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  • 1990 Karl Dedecius

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  • 1978 Astrid Lindgren

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  • 1976 Max Frisch

  • 1975 Alfred Grosser

  • 1974 Frère Roger

  • 1973 The Club of Rome

  • 1972 Janusz Korczak

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  • 1968 Léopold Sédar Senghor

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  • 1964 Gabriel Marcel

  • 1963 Carl Friedrich von Weizsäcker

  • 1962 Paul Tillich

  • 1961 Sarvepalli Radhakrishnan

  • 1960 Victor Gollancz

  • 1959 Theodor Heuss

  • 1958 Karl Jaspers

  • 1957 Thornton Wilder

  • 1956 Reinhold Schneider

  • 1955 Hermann Hesse

  • 1954 Carl Jacob Burckhardt

  • 1953 Martin Buber

  • 1952 Romano Guardini

  • 1951 Albert Schweitzer

  • 1950 Max Tau

Zur ÜbersichtDer Preisträger 1990

Karl Dedecius

Der Stiftungsrat für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels hat den polnischen Schriftsteller, Übersetzer und Herausgeber Karl Dedecius zum Träger des Preises gewählt. Die Verleihung findet während der Frankfurter Buchmesse am Sonntag, 7. Oktober 1990, in der Paulskirche statt. Die Laudatio hält Heinrich Olschowsky.


Karl Dedecius
© Ulrich Schmidt

Begründung der Jury

Den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verleiht der Börsenverein im Jahre 1990 Karl Dedecius. Er würdigt mit dieser Auszeichnung ein Lebenswerk, das dem Verstehen von Literatur und der Verständigung zwischen Völkern gewidmet ist.

Mit zahlreichen Übersetzungen aus slawischen Sprachen, mit Arbeiten zur Theorie des Übersetzens und mit der Gründung des Deutschen Polen-Instituts in Darmstadt hat Karl Dedecius dazu beigetragen, Sprach- und Verständigungsgrenzen zu überwinden und dem literarischen Leben neue Impulse zu geben. Er hat wesentliche Zeugnisse der Literatur unserer östlichen Nachbarn im Deutschen heimisch gemacht. Damit steht er in der Tradition großer deutscher Übersetzungen und Übersetzer.

Der Börsenverein ehrt in Karl Dedecius zugleich die Übersetzer als Anreger, Vermittler und Partner des literarischen Austauschs. Ohne ihre Arbeit sind Verstehen, Verständigung und Frieden unter den Völkern nicht möglich.

 

 

Chronik des Jahres 1990

+++ Das Jahr 1990 steht im Zeichen der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten und der kurzen Phase einer eigenständigen, tatsächlich demokratischen DDR. Nachdem die ehemaligen alliierten Mächte durch Unterzeichnung des »Vertrags über die abschließende Regelung in Bezug auf Deutschland« ihre Zustimmung geben und der Einigungsvertrag von der Volkskammer, Bundestag und Bundesrat verabschiedet wird, tritt am 3. Oktober die DDR dem Geltungsbereich des Grundgesetzes bei. Tags darauf konstituiert sich der erste gesamtdeutsche Bundestag. +++ Bei den ersten freien gesamtdeutschen Wahlen seit 1932 wird die CDU / CSU im November stärkste Partei und bildet mit der FDP weiterhin eine Regierungskoalition. +++ Mit dem Austritt der slowenischen Kommunisten aus dem gesamt-jugoslawischen Bund der Kommunisten im Februar wird der Zerfallsprozess Jugoslawiens in Gang gesetzt. +++ Am 11. Februar wird in Südafrika Nelson Mandela nach über 27 Jahren aus der Haft entlassen. Im Juni wird dort die 1953 eingeführte Rassentrennung in öffentlichen und betrieblichen Einrichtungen beendet. +++ Die Mannschaft der Bundesrepublik Deutschland wird im Juli mit einem 1:0-Sieg über Argentinien Fußballweltmeister. +++ Am 2. August marschieren irakische Truppen in Kuwait ein. Noch am selben Tag verurteilt der UN-Sicherheitsrat den Einmarsch und stellt im November dem Irak ein Ultimatum. Danach sind die UN-Mitglieder zum Einsatz aller »notwendigen Mittel« berechtigt, wenn die irakischen Truppen nicht bis zum 15. Januar 1991 den Rückzug aus Kuwait angetreten haben. +++ In der Sowjetunion wird im Oktober das Mehrparteiensystem eingeführt. Alle politischen Parteien sind gleichberechtigt. Im gleichen Monat gibt das Nobelpreiskomitee bekannt, dass Staatspräsident Michail Gorbatschow mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet wird. +++

 

Biographie Karl Dedecius

Karl Dedecius wurde am 20. Mai 1921 in Lodz als Sohn einer deutschstämmigen Familie geboren. Nach Gymnasium und Arbeitsdienst wurde er zum Kriegsdienst einberufen und geriet 1943 in Stalingrad in sowjetische Gefangenschaft, in der er, bevor er 1950 nach Deutschland zurückkehrte, sich selbst Russisch beibrachte und sich mit russischer Lieteratur beschäftige.

Zurück in Deutschland übersiedelte er 1952 nach einer Tätigkeit als Redakteur am Deutschen Theater-Institut in Weimar in den Westen und arbeitete von 1953 – 1978, zuerst als Prokurist und später als Abteilungsleiter für Presse und Werbung, bei der Allianzversicherung in Frankfurt.
Zugleich begann Karl Dedecius in den 50er Jahren mit der Übersetzung von polnischer Literatur ins Deutsche. Seitdem übertrug er an die 100 Bücher, darunter Lyrik, Romane, Erzählungen und Aphorismen und machte polnische Schriftsteller wie Zbigniew Herbert, Stanislaw Jerzy Lec, Nobelpreisträger Czeslaw Milosz und Wislawa Szymborska in Deutschland bekannt.

1959 erschien die erste von ihm herausgegebene Anthologie „Lektion der Stille“. Daneben veröffentlichte er eigene Essays zu Literatur und Übersetzungstechnik. Als seine Hauptwerke gelten die 50-bändige „Polnische Bibliothek“ (1982-2000), sowie das siebenbändige „Panorama der polnischen Literatur des 20. Jahrhunderts (1996-2000).

1979 initiierte Karl Dedecius das Deutsche Polen-Institut in Darmstadt, dessen Direktor er bis Ende 1997 war und das er zum Mittelpunkt der literarischen Polonistik in Deutschland machte. Er begründete das Jahrbuch „Ansichten“, die „Blaue Reihe“ und verstand es, Polen und Deutschland auf kultureller und institutioneller Ebene einander wieder näher zu bringen. Seit 2004 verleiht das Deutsche Polen-Institut in Zusammenarbeit mit der Robert-Bosch-Stiftung den mit je zweimal 10.000 Euro dotierten Karl-Dedecius-Preis für Übersetzer.

Karl Dedecius hat neben dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (1990) eine Anzahl von Ehrendoktorwürden, mehrere Übersetzer- und weitere internationale Preise erhalten. Er lebt mit seiner Frau Elvira, mit der er seit 1950 verheiratet ist, in Frankfurt und hat zwei Kinder.

Auszeichnungen (Auswahl)

1962 Preis der Künstlergilde Esslingen
1965 Preis des Kulturkreises im Bundesverband der Deutschen Industrie
1965 Internationaler Übersetzerpreis des Polnischen PEN-Clubs
1967 Übersetzerpreis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung
1968 Preis der Jurzykowski-Stiftung der Polnischen Emigranten in New York
1970 Ehrendiplom des Polnischen Autorenverbandes ZAiKS
1974 L'ordre du »Mérite culturel« des polnischen Ministers für Kultur und Kunst
1976 Dr. phil. h. c. der Albertus Magnus Universität zu Köln
1976 Godlewski-Preis der Polnischen Emigranten in Rapperswil/Schweiz
1976 Bundesverdienstkreuz am Bande
1978 Preis des Polnischen Autorenverbandes ZAiKS
1981 Auszeichnung des Polnischen Autorenverbands
1985 Großes Bundesverdienstkreuz
1985 Christoph-Martin-Wieland-Übersetzerpreis, Stuttgart
1986 Kulturpreis des Landes Hessen
1987 Dr. phil. h.c. der Katholischen Universität Lublin
1988 Preis der Polnischen Kulturstiftung
1989 Verdienstorden der Republik Polen, Komandoria-Klasse
1990 Dr. phil. h.c. der Universität Lodz
1990 Hessischer Verdienstorden
1990 Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
1992 Ehrenbürger der Stadt Lodz
1994 Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern
1995 Dr. phil. h.c. der Universität Thorn
1995 Großes Verdienstkreuz mit Stern der Republik Polen
1996 Ehrenbürger der Stadt Plock
1997 Ehrenprofessur
1997 Andreas-Gryphius-Preis
1999 Viadrina-Preis
2000 Nossack-Akademie-Preis
2000 Dr. phil. h.c. der Universität Krakau
2000 Nikolaus-Lenau-Preis
2002 Literaturpreis der polnischen Monatszeitschrift „Odra“
2002 Dr. phil h.c. der Universität Breslau
2002 Samuel-Bogumil-Linde-Preis
2004 Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen

 

Aus der Friedenspreisrede

»Wenn Europa es mit seiner Einigung als Ganzes ernst meint, sollte es kulturpolitisch mehr für seine östliche Region tun: zum Beispiel die Kommunikation der Wissenschaftler und Künstler von Ost und West fördern. […]
Was Przybyszewski ›von Volk zu Volk‹ nannte, das ist das Näherrücken von Schüler zu Schüler, von Lehrer zu Lehrer, von Leser zu Leser, von Buch zu Buch. Eine Umorientierung von unten, neben der von oben, muß stattfinden, wenn wir tatsächlich wünschen, was wir angeblich wollen: die Hausgemeinschaft Europa.
Der polnische Philosoph Leszek Kolakowski hat 1977 von dieser Stelle aus gesagt: ›Im Haß leben, heißt: im Tod leben.‹ Das heißt in schlichter Übersetzung: Wer den Frieden gewinnen will, muß Freunde gewinnen. Und dies wiederum heißt: Er muß den anderen verstehen lernen. Er muß den andern anders sein lassen.«

 

Laudator Heinrich Olschowsky

 

Bibliographie

Deutsche und Polen. Botschaft der Bücher (1971)

Überall ist Polen (1974)

Polnische Profile (1975)

Zur Literatur und Kultur Polens (1981)

Vom Übersetzen. Theorie und Praxis (1986)

Von Polens Poeten (1988)

Lebenslauf aus Büchern und Blättern (1990)

Ost West Basar. Ansprachen Essays Würdigungen (1996)

Panorama der polnischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Abt.V. Panorama. Ein Rundblick (2000)

Die Kunst der Übersetzung (2002)

Ein Europäer aus Lodz: Erinnerungen (2006)

Meine polnische Bibliothek (2011)

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