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  • 1998 Martin Walser

  • 1997 Yasar Kemal

  • 1996 Mario Vargas Llosa

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  • 1994 Jorge Semprún

  • 1993 Friedrich Schorlemmer

  • 1992 Amos Oz

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  • 1988 Siegfried Lenz

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  • 1976 Max Frisch

  • 1975 Alfred Grosser

  • 1974 Frère Roger

  • 1973 The Club of Rome

  • 1972 Janusz Korczak

  • 1971 Marion Gräfin Dönhoff

  • 1970 Alva und Gunnar Myrdal

  • 1969 Alexander Mitscherlich

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  • 1964 Gabriel Marcel

  • 1963 Carl Friedrich von Weizsäcker

  • 1962 Paul Tillich

  • 1961 Sarvepalli Radhakrishnan

  • 1960 Victor Gollancz

  • 1959 Theodor Heuss

  • 1958 Karl Jaspers

  • 1957 Thornton Wilder

  • 1956 Reinhold Schneider

  • 1955 Hermann Hesse

  • 1954 Carl Jacob Burckhardt

  • 1953 Martin Buber

  • 1952 Romano Guardini

  • 1951 Albert Schweitzer

  • 1950 Max Tau

Zur ÜbersichtDer Preisträger 1992

Amos Oz

Der Stiftungsrat für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels hat den israelischen Schriftsteller Amos Oz zum Träger des Preises gewählt. Die Verleihung findet während der Frankfurter Buchmesse am Sonntag, 4. Oktober 1992, in der Paulskirche statt. Die Laudatio hält Siegfried Lenz.


Amos Oz
© Ron Rotem

Begründung der Jury

Den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verleiht der Börsenverein im Jahre 1992 Amos Oz und würdigt damit den herausragenden Schriftsteller des heutigen Israel.

In seinen politisch engagierten Werken vermittelt Amos OIz ein lebendiges Bild der israelischen Gesellschaft mit ihren vielschichtigen und schwierigen Beziehungen der Menschen untereinander uind zu der Welt; er schildert die Vielfalt der Stimmen im Staat Israel. Er würdigt zugleich den Mitbegründer der israelischen Friedensbewegung Peace Now, mit der er gegen Fanatismus, Gewalt, aber auch gegen Gleichgültigkeit kämpft.

Amos Oz setzt sich mit aller Kraft für ein dauerhaftes und friedvolles, für ein gerechtes Zusammenleben von Israelis und Palästinsern ein - und zwar in ihrer angestammten Heimat. Frieden gilt es zu leben, nicht Krieg. Dies bedeutet für Amos Oz, der die Philosophie des Kompromisses und der Verständigung vertritt, gute Nachbarschaft und Fairneß zwischen den Nationen, Toleranz und Menschlichkeit.

 

Chronik des Jahres 1992

+++ Der südafrikanische Präsident de Klerk kündigt im Januar 1992 die Bildung einer Übergangsregierung an, an der auch Vertreter der schwarzen Bevölkerungsmehrheit beteiligt werden sollen. Im März votieren mehr als zwei Drittel der weißen Bevölkerung Südafrikas für die Abschaffung der Rassentrennung und die Fortsetzung der Reformpolitik. +++ Trotz der Stationierung von UN-Friedenssoldaten und der diplomatischen Anerkennung von Kroatien, Slowenien und Bosnien-Herzegowina durch die Europäische Gemeinschaft geht der Krieg auf dem Balkan unvermindert weiter. Gegen Serbien und Montenegro wird im Mai ein Handelsembargo beschlossen. Im Dezember wird durch eine Großoffensive serbischer Truppen die bosnische Hauptstadt Sarajewo von der Außenwelt abgeschnitten. +++ Im August zünden in Rostock rechtsextreme Jugendliche unter dem Beifall erwachsener Sympathisanten und ungehindert von der Polizei einen Wohnblock an, in dem vor allem Vietnamesen leben. +++ Ende September wird bei einem Brandanschlag auf die KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen ein Museumsgebäude zerstört. +++ Am 23. November kommen in Mölln drei Türkinnen bei einem Brandanschlag rechtsextremer Gewalttäter ums Leben, sieben Personen werden verletzt. Am 6. Dezember protestieren in München mehr als 400 000 Menschen mit einer 45 Kilometer langen Lichterkette gegen Ausländerfeindlichkeit. Am gleichen Tag einigt sich die Regierungskoalition mit der SPD auf eine Änderung von Artikel 16 des Grundgesetzes: Asylbewerber, die aus anderen EG-Staaten und sogenannten sicheren Drittländern nach Deutschland kommen, sollen künftig ohne Gerichtsverfahren zurückgeschickt werden können. +++

 

Biographie Amos Oz

Mit fünfzehn Jahren tritt Amos Klausner, als Sohn eines russischen Literatur-wissenschaftlers geboren am 4. Mai 1939 in Jerusalem, dem Kibbuz Hulda bei und ändert seinen Nachnamen in Oz um, das hebräische Wort für Kraft, Stärke. Er studiert Literatur und Philosophie und veröffentlicht 1960 erste Kurzgeschichten.

Der erste Roman Keiner bleibt allein über die Bedrohung der Ideale des Kibbuzlebens durch Missgunst und Egoismus erscheint 1966. Schon hier wird seine Sehnsucht nach Verlässlichkeit sichtbar, die sich aus der Unsicherheit des Staates Israel seit seiner Gründung ergibt und die sich durch sein Leben und durch sein literarisches Werk zieht.

Die Erfahrungen, die er 1967 als Soldat im Sechstagekrieg und im Jom-Kippur-Krieg 1973 macht, befördern seine Einsicht, dass ein Kompromiss zwischen Israelis und Palästinensern gefunden werden muss, der die Autonomie der Palästinensergebiete vorsieht. 1977 wird die Friedensbewegung Schalom Achschaw (Frieden jetzt, Peace Now) gegründet, auf deren Basis Amos Oz und seine Mitstreiter sich für eine friedliche Lösung des Nahostkonflikts einsetzen – eine Haltung, die in Israel, zusammen mit den zeit- und gesellschaftskritischen Bezügen der Romane und Essays von Amos Oz, heftige Kontroversen auslöst.

Während der zweiten Intifada versucht er, mit der Unterscheidung zwischen dem Kampf der Palästinenser um einen eigenen Staat und dem Kampf fanatischer Islamisten gegen die Existenz des Staates Israel, der Diskussion um eine friedliche Lösung des Konflikts eine neue Grundlage zu geben. 2008 erscheint sein Roman Verse auf Leben und Tod, ein subversives Wechselspiel von Leben und Literatur. Im gleichen Jahr kündigt er die Gründung einer neuen Linkspartei an.

Amos Oz lebt im israelischen Arad.

 

Aus der Friedenspreisrede

»Die Verteidigung der Sprache ist mein Weg, den Frieden zu befördern: ein unablässiger Kampf gegen die Verschandelung der Sprache, gegen die ständige Wiederholung von Stereotypen, gegen Rassismus und Intoleranz, gegen die Verherrlichung von Gewalt.
Immer wieder bin ich von Worten angewidert, die man sogar benutzt, um für Romane zu werben: ›kraftvoll‹, ›umwerfend‹, ›überwältigend‹, ›explosiv‹. Ich glaube nicht an die Möglichkeit eines perfekten Friedens – denken Sie an jenes ›krumme Holz‹.
Ich arbeite vielmehr für einen kläglichen, nüchternen, unvollkommenen Kompromiß zwischen einzelnen Menschen und Gemeinschaften, die immer getrennt und unterschiedlich sein werden, die aber gleichwohl fähig sind, ein unvollkommenes Miteinander herbeizuführen.
Der Psalmist sagt: ›Es begegnen einander Huld und Treue; Gerechtigkeit und Frieden küssen sich‹ (Psalm 85, 10). Der Talmud jedoch legt eine innere Spannung zwischen Gerechtigkeit und Frieden offen und bietet eine eher pragmatische Vorstellung: ›Wo aber Gerechtigkeit vorherrscht, da ist kein Frieden, und wo Frieden herrscht, da ist keine Gerechtigkeit. Wo also ist Gerechtigkeit, die Frieden enthält? Sie sind in der Tat gesondert.‹«

 

Laudator Siegfried Lenz

 

Bibliographie

Keiner bleibt allein (1976)

Mein Michael (1979)

Abenteuer in Jerusalem. Kinderbuch (1981)

Israel: die Trümmer einer Illusion (1982)

Im Lande Israel. Herbst 1982 (1984)

Der perfekte Frieden (1987)

Black Box (1989)

Eine Frau erkennen (1991)

Der dritte Zustand (1992)

Bericht zur Lage des Staates Israel (1992)

Der Berg des bösen Rates (1993)

Sumchi. Eine wahre Geschichte über Liebe und Abenteuer. Kinderbuch (1993)

Sehnsucht. Drei Erzählungen (1994)

Nenn die Nacht nicht Nacht (1995)

Die Hügel des Libanon. Politische Essays (1995)

Herr Levi. Erzählungen (1996)

Dem Tod entgegen. Zwei Erzählungen (1997)

So fangen die Geschichten an (1997)

Panther im Keller. Kinderbuch (1997)

Das Schweigen des Himmels. Über Samuel J. Agnon (1998)

Ein anderer Ort (2001)

Israel und Palästina: Ein Zweifamilienhaus? (2001)

Allein das Meer (2002)

Eine Geschichte von Liebe und Finsternis (2004)

Wie man Fanatiker kuriert (2004)

Plötzlich tief im Wald. Ein Märchen (2005)

Israel und Deutschland. Vierzig Jahre nach Aufnahme diplomatischer Beziehungen (2005)

Verse auf Leben und Tod (2008)

Geschichten aus Tel Ilan. Erzählungen (2009)

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