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  • 2010 David Grossman

  • 2009 Claudio Magris

  • 2008 Anselm Kiefer

  • 2007 Saul Friedländer

  • 2006 Wolf Lepenies

  • 2005 Orhan Pamuk

  • 2004 Péter Esterházy

  • 2003 Susan Sontag

  • 2002 Chinua Achebe

  • 2001 Jürgen Habermas

  • 2000 Assia Djebar

  • 1999 Fritz Stern

  • 1998 Martin Walser

  • 1997 Yasar Kemal

  • 1996 Mario Vargas Llosa

  • 1995 Annemarie Schimmel

  • 1994 Jorge Semprún

  • 1993 Friedrich Schorlemmer

  • 1992 Amos Oz

  • 1991 György Konrád

  • 1990 Karl Dedecius

  • 1989 Václav Havel

  • 1988 Siegfried Lenz

  • 1987 Hans Jonas

  • 1986 Wladyslaw Bartoszewski

  • 1985 Teddy Kollek

  • 1984 Octavio Paz

  • 1983 Manès Sperber

  • 1982 George F. Kennan

  • 1981 Lew Kopelew

  • 1980 Ernesto Cardenal

  • 1979 Yehudi Menuhin

  • 1978 Astrid Lindgren

  • 1977 Leszek Kolakowski

  • 1976 Max Frisch

  • 1975 Alfred Grosser

  • 1974 Frère Roger

  • 1973 The Club of Rome

  • 1972 Janusz Korczak

  • 1971 Marion Gräfin Dönhoff

  • 1970 Alva und Gunnar Myrdal

  • 1969 Alexander Mitscherlich

  • 1968 Léopold Sédar Senghor

  • 1967 Ernst Bloch

  • 1966 Augustin Kardinal Bea und Willem A. Visser 't Hooft

  • 1965 Nelly Sachs

  • 1964 Gabriel Marcel

  • 1963 Carl Friedrich von Weizsäcker

  • 1962 Paul Tillich

  • 1961 Sarvepalli Radhakrishnan

  • 1960 Victor Gollancz

  • 1959 Theodor Heuss

  • 1958 Karl Jaspers

  • 1957 Thornton Wilder

  • 1956 Reinhold Schneider

  • 1955 Hermann Hesse

  • 1954 Carl Jacob Burckhardt

  • 1953 Martin Buber

  • 1952 Romano Guardini

  • 1951 Albert Schweitzer

  • 1950 Max Tau

Zur ÜbersichtDer Preisträger 1996

Mario Vargas Llosa

Der Stiftungsrat für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels hat den lateinamerikanischen Schiftsteller Mario Vargas Llosa zum Träger des Preises gewählt. Die Verleihung findet während der Frankfurter Buchmesse am Sonntag, 6. Oktober 1996, in der Paulskirche statt. Die Laudatio hält Jorge Semprún.


Mario Vargas Llosa
© Ekko von Schwichow

Begründung der Jury

Den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verleiht der Börsenverein 1996 Mario Vargas Llosa.

Er hat Gleichheit und Gerechtigkeit als Bedingung des Friedens in das Zentrum seines erzählerischen und essayistischen Schaffens gestellt.

Sein Lebenswerk ist das Plädoyer für eine "Kultur der Freiheit" und für "wahre Gerechtigkeit" als unerläßliche Grundlage für das Leben des Individuums wie der Gesellschaft. Mit seinen Essays hat er in die Konflikte unuserer Zeit eingegriffen.

Vargas Llosa ist ein Mann ungewöhnlicher Zivilcourage, der für seine Überzeugung kämpft, daß Politik von Moral nicht getrennt werden darf. Für ihn ist Frieden nicht allein eine Sache guten Willens, sondern erkennbarer und benennbarer Bedingungen. Dafür tritt der Weltbürger Mario Vargas Llosa streitbar ein.

 

 

Chronik des Jahres 1996

+++ Bei den ersten demokratischen Wahlen wird der PLO-Chef Arafat mit 87,1 Prozent der Stimmen zum Vorsitzenden des Palästinensischen Autonomierates gewählt. +++ Bei den schwersten Bombenattentaten seit 1993 kommen in Jerusalem 27 Menschen ums Leben. Die islamische Untergrundorganisation Hamas bekennt sich als Urheber der Attentate. +++ Die britische Regierung räumt im März erstmals die Möglichkeit ein, dass die Rinderkrankheit BSE, bekannt als »Rinderwahnsinn«, auf den Menschen übertragen werden und das Creuzfeldt-Jakob-Syndrom verursachen kann. +++ Die deutsche Bundesregierung erkennt im April die aus Serbien und Montenegro bestehende Bundesrepublik Jugoslawien an und nimmt die 1992 abgebrochenen Beziehungen zu Belgrad wieder auf. +++ Im Juli verkündet China nach der Zündung des 45. atomaren Sprengsatzes als letzte offizielle Atommacht ihren Verzicht auf weitere Atomtests.
Der US-amerikanische Politologe Daniel Goldhagen diskutiert im Herbst erstmals in Deutschland öffentlich über die in seinem umstrittenen Buch »Hitlers willige Vollstrecker« veröffentlichen Thesen. Die Studie beruht auf der Annahme, der Massenmord in der NS-Zeit sei von Durchschnittsdeutschen verübt worden, die sich bereitwillig in den Dienst der Mordmaschinerie stellten. Ein historisch gewachsener Judenhass habe in Deutschland für eine breite Übereinstimmung zwischen der Bevölkerung und den Nationalsozialisten gesorgt. +++

 

Biographie Mario Vargas Llosa

Mario Vargas Llosa wurde am 28. März 1936 in der südperuanischen Stadt Arequipa geboren. Er verbrachte nach der Trennung seiner Eltern seine frühe Kindheit in Bolivien, bevor die Familie wieder nach Peru übersiedelte. Schon gegen Ende seiner Schulzeit arbeitete Vargas Llosa in der Redaktion einer Lokalzeitung mit und schrieb erste Theaterstücke. Er begann ein Jura- und Literaturstudium, wobei er aber nur letzteres zum Abschluss brachte. Seine schriftstellerische Tätigkeit nahm in dieser Zeit im gleichen Maße zu, wie seine journalistische Betätigung abnahm.

1955 heiratete er im Alter von 18 Jahren die zehn Jahre ältere Julia Urquidi, mit der er neun Jahre zusammenlebte. Diese Beziehung verarbeitete er später in seinem Roman „Tante Julia und der Kunstschreiber“.

1958 erhielt Vargas Llosa ein Promotionsstipendium, das er in Madrid mit einer Dissertation über Gabriel García Márquez abschloss. Für eine Sammlung von Kurzgeschichten mit dem Titel „Die Chefs“ erhielt er 1959 den Leopoldo-Alas-Preis. Er ließ sich in Paris nieder und arbeitete dort für die französische Fernseh- und Rundfunkanstalt, als Englischlehrer und als Übersetzer für die ‚Agence France-Press’.

Großes Aufsehen erregte er 1963 mit seinem Roman „Die Stadt und die Hunde“, in dem er seine Jugenderlebnisse als Kadett in der peruanischen Militärschule beschreibt. Das Buch wurde in Lima öffentlich verbrannt.

1965 heiratete Vargas Llosa seine Cousine Patricia Llosa, mit der er drei Kinder bekam. 1967 übernahm er den Lehrstuhl für lateinamerikanische Literatur am Queen Mary College der London University. Er kehrte 1974 nach Peru zurück und versuchte sich als Moderator einer politischen Fernsehsendung.

1976 bis 1979 war er Präsident des Internationalen P.E.N.. In den 80er Jahren wandte sich Vargas Llosa verstärkt der Politik zu und gründete 1988 mit mehreren Freunden die peruanische Freiheitsbewegung ‚Movimiento Libertad’. 1990 bewarb er sich um das Amtdes Staatspräsidenten seines Landes. Er galt als Favorit, verlor aber überraschend in einer Stichwahl gegen Alberto Fujimoro. Nach der Wahlniederlage wandte Vargas Llosa sich wieder der Literatur zu. Er übernahm verschiedene Professuren an US-amerikanischen Universitäten und verfasste zahlreiche Essays für ‚El Pais’. 1993 erhielt er nach Übersiedlung die spanische Nationalität.

Mario Vargas Llosa lebt in London als Schriftsteller und Journalist. 2010 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.

Auszeichnungen (Auswahl)

Prix Leopold Alas (1958)
Premio Biblioteca Breve (1962)
Spanischer Kritikerpreis (1963)
Rómulo-Gallegos-Preis (1967)
Ritz-Paris-Hemingway Award (1985)
Spanischer Literaturpreis „Prinz von Asturien“ (1986)
Prix de la Liberté (1988)
Italienischer Literaturpreis „Scanno“ (1989)
Cervantes-Preis (1994)
Jerusalem-Preis (1995)
Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (1996)
National Book Critics Circle Award (1998)
Spanischer Journalistenpreis "Ortega y Gasset" (1999)
PEN/Nabokov Award (2002)
Nobelpreis für Literatur (2010)

 

Aus der Friedenspreisrede

»Wenn die Literatur imstande ist, diese Aufgabe weiterhin in der Gegenwart zu erfüllen, so wie sie es in der Vergangenheit getan hat – das heißt, wenn sie darauf verzichtet, light zu sein, sich abermals ›engagiert‹, versucht, den Menschen durch das Wort und die Fantasie die Augen über die sie umgebende Wirklichkeit zu öffnen –, dann, so glaube ich aus zwei Gründen behaupten zu können, wird es weniger schwierig sein, all die Kriege, Massaker, Völkermorde, ethnischen Konflikte, religiösen Auseinandersetzungen, Flüchtlingsströme und terroristischen Aktionen einzudämmen, die wir heute erleben und die sich in Zukunft noch zu vermehren drohen und den Traum von einer friedlichen, in demokratischen Verhältnissen zusammenlebenden Welt, der mit dem Fall der Mauer entstanden war, zerstören.«

 

Laudator Jorge Semprún 

 

Bibliographie

»Anden« Mit Illustrationen von Pablo Corral Vega National Geographic Deutschland, Hamburg 2004, 160 S.

»Die Anführer« Erzählungen. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1993, 126 S.

Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1995, suhrkamp taschenbuch 2448, 128 S.

»Briefe an einen jungen Schriftsteller« Wie man Romane schreibt Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2004, suhrkamp taschenbuch 3601, 118 S.

»Demokratie heute« Jan Patocka Gedächtnisvorlesung Passagen Verlag, Wien 1993; 32 S.

»Fernando Botero« von Mario Vargas Llosa, Werner Spies und Beate Elsen-Schwedler Swiridoff Verlag, Künzelsau 2005, 200 S.

»Das Fest des Ziegenbocks« - Roman. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2001, 538 S.

»Der Fisch im Wasser« Erinnerungen. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1998, suhrkamp taschenbuch 2850, 680 S.

»Flaubert und ‚Madame Bovary’« Die ewige Orgie Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1996, 250 S.,

»Gegen Wind und Wetter« Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1988, edition suhrkamp 1513, 284 S.

»Geheime Geschichte eines Romans« Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1992, 82 S.

»Die geheimen Aufzeichnungen des Don Rigoberto« Roman. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1997, 470 S.

»Der Geschichtenerzähler« Roman. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1990, 287 S.

»Gespräch in der ‚Kathedrale’« Roman. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1984, suhrkamp taschenbuch 1015, 630 S.

»Das grüne Haus« Roman. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1976, suhrkamp taschenbuch 342

»Der Hauptmann und sein Frauenbataillon« Roman. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1983, suhrkamp taschenbuch 959, 288 S.

»Die jungen Hunde« Erzählung. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1991, suhrkamp taschenbuch 1841, 94 S.

»Der Krieg am Ende der Welt« Roman. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1987, suhrkamp taschenbuch 1343, 736 S.

»La Chunga« Ein Stück Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1989, edition suhrkamp 1555, 88 S.

»Literatur ist Feuer (1967)« Rede bei der Entgegennahme des Rómulo-Gallegos-Preises in Caracas am 11.8.1967 Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 1994, 48 S.

»Lob der Stiefmutter« Roman. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1989, 196 S.

»Maytas Geschichte« Roman. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1989, suhrkamp taschenbuch 1605, 374 S.
»Nationalismus als neue Bedrohung« Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2000, 150 S.

»Das Paradies ist anderswo« Roman. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2004, 494 S.

»Die Sprache der Leidenschaft« Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2002, 308 S.

»Die Stadt und die Hunde« Roman. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1980, suhrkamp taschenbuch 622, 425 S.

»Tante Julia und der Kunstschreiber« Roman. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1988, suhrkamp taschenbuch 1520, 400 S.

»Tod in den Anden« Roman. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1996, 384 S.

»Ein trauriger, rabiater Mann« Über George Grosz Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2000, 76 S.

»Victor Hugo und die Versuchung des Unmöglichen« Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2006, 199 S.

»Wer hat Palomino Molero umgebracht?« Roman. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1988, 202 S.

»Die Wirklichkeit des Schriftstellers« Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1997, edition suhrkamp 2003

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