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Zur ÜbersichtDer Preisträger 2000

Assia Djebar

Der Stiftungsrat Friedenspreis des Deutschen Buchhandels hat die algerische Schriftstellerin Assia Djebar zur Trägerin des Friedenspreises 2000 gewählt. Die Verleihung findet während der Frankfurter Buchmesse am Sonntag, 22. Oktober 2000, in der Paulskirche statt. Die Laudatio hält Barbara Frischmuth.


2000 Assia Djebar

Begründung der Jury

Mit dem Friedenspreis ehrt der Börsenverein "die algerische Schriftstellerin Assia Djebar, die dem Maghreb in der zeitgenössischen europäischen Literatur eine eindringliche Stimme gegeben hat. Sie hat in ihrem Werk ein Zeichen der Hoffnung gesetzt für die demokratische Erneuerung Algeriens, für den inneren Frieden in ihrer Heimat und für die Verständigung zwischen den Kulturen. Den vielfältigen Wurzeln ihrer Kultur verpflichtet, hat Assia Djebar einen wichtigen Beitrag zu einem neuen Selbstbewusstsein der Frauen in der arabischen Welt geleistet".

 

Chronik des Jahres 2000

Die Angst vor einem Computer-Chaos durch den Wechsel ins Jahr 2000 erweist sich als unbegründet. Das »große Löschfest« findet nicht statt, weltweit werden keine nennenswerten Probleme registriert. +++ Am 1. Februar rückt die russische Armee nach wochenlangen Gefechten in Grosny / Tschetschenien ein und bringt weite Teile der Stadt unter ihre Kontrolle. Der Tschetschenien-Konflikt verlagert sich in den Untergrund. +++ Bundespräsident Rau hält am 16. Februar als erstes deutsches Staatsoberhaupt eine Rede in deutscher Sprache vor der Knesset, dem israelischen Parlament in Jerusalem. +++ In Hamburg wird Ende Juni ein sechsjähriger Junge von zwei Kampfhunden getötet. Am 30. Juni spricht sich der Bundestag einhellig für ein Verbot der Haltung von Kampfhunden in Deutschland aus. +++ Kurz nach dem Start stürzt am 25. Juli eine Concorde auf dem Weg von Paris nach New York ab. Bei der Katastrophe kommen alle 109 Insassen ums Leben. Die Ursache ist wahrscheinlich ein Metallteil auf der Startbahn, das einen Reifen der Maschine zum Platzen brachte und eine Kettenreaktion auslöste. Der Einsatz der Concorde wird eingestellt. +++ Der Vorsitzende der CDU / CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Friedrich Merz, fordert Ende Oktober, dass sich Einwanderer, die auf Dauer in der Bundesrepublik leben wollen, »einer gewachsenen freiheitlichen deutschen Leitkultur anpassen« müssten. Mit dieser Äußerung löst Merz eine breite Debatte über die Zuwanderungs- und Integrationspolitik in Deutschland aus.

 

Biographie Assia Djebar

Assia Djebar (eigentlicher Name: Fatima-Zohra Imalayène) wurde 1936 in Cherchell, einer kleinen Küstenstadt bei Algier, geboren. Sie besuchte die Koranschule und die französische Grundschule, an der ihr Vater Französisch unterrichtete. Als erste Algerierin wurde sie an der Ecole Normale Supérieure in Paris zugelassen.
1956, in den ersten Jahren des algerischen Unabhängigkeitskampfes, nahm sie am Streik der algerischen Studenten teil. 1958 heiratete sie Ahmed Ould-Rouis, ein Mitglied der Widerstandsbewegung. Diese Ehe wurde 1975 geschieden. 1980 heiratete sie den Dichter Malek Alloula.
Ihr Debüt als Romanschriftstellerin war der Roman "La Soif" (1957, deutsch "Die Zweifelnde", 1993), den sie innerhalb von zwei Monaten während der Studentenunruhen 1956 geschrieben hatte. "Les Impatients" (1958, deutsch "Die Ungeduldigen", 1959) spielt vor dem Unabhängigkeitskampf und handelt von einer jungen Frau, die sich in ihrer Familie gefangen fühlt. "Les Enfants du nouveau monde" (1962) erzählt von algerischen Frauen, die eigene Forderungen entwickeln; die Heldin nimmt an kollektiven Aktionen zum politischen Wechsel teil. Die Themen Liebe und Krieg, Vergangenheit und Gegenwart werden auch in den nächsten Romanen weitergeführt.

Während des Befreiungskampfes arbeitet Assia Djebar als Journalistin und engagierte sich als Assistentin an der Universität von Rabat in zahlreichen algerischen kulruellen Initiativen.
Anfang der 70er Jahre begann Assia Djebar klassisches Arabisch zu studieren, um ihre Ausdrucksmöglichkeiten zu erweitern. In ihren späteren Romanen bereicherte sie denn auch die französische Sprache durch Klänge und Rhythmen des Arabischen.

Ihr langes literarisches Schweigen in den 70er Jahren hing einerseits damit zusammen, dass sie feststellen musste, dass sie nie eine Schriftststellerin arabischer Sprache sein würde, andererseits lag es an ihrem Interesse für andere künstlerische Ausdrucksformen. Sie arbeitete an vielen Theater- und Filmprodukltionen mit. Nach der zehnjährigen Phase des Schweigens erschienen seit 1980, beginnend mit dem Tietel "Die Frauen von Algier" (deutsch 1994), Bücher, in denen Assia Djebar einserseits mit neuen Stilmitteln experimentiert, andererseits den Maghreb in seinen Facetten in Geschichte und Gegenwart einfängt.

Assia Djebar unterrichtete über viele Jahre Geschichte an der Universität von Algier. Seit 1997 ist sie Professorin am Zentrum für französische und frankophone Studien der Louisiana State University. Ihre Werke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Sie wurde mit vielen internationalen Preisen ausgezeichnet und ist seit 1999 Mitglied der Königlichen Belgischen Akademie für Französische Sprache und Literatur.

Assia Djebar ist am 6. Februar 2015 im Alter von 78 Jahren in Paris gestorben.

 

Aus der Friedenspreisrede

»Mein Ziel war, die bleierne Stummheit der algerischen Frauen spürbar zu machen, die Unsichtbarkeit ihrer Körper, denn auch sie kehrte zurück, zusammen mit einer rückschrittlichen, nach außen abgeschotteten Tradition.

Dazu musste ich zunächst als Schriftstellerin (die Aufgabe eines jeden Schriftstellers liegt in der Sprache) die französische Sprache, die mit den Besatzern 1830 nach Algerien eingedrungen war, packen und auswringen, verzeihen Sie mir diese Metapher, und all ihren schädlichen Staub herausschütteln.

Während der gewalttätigen vierzig Jahre der Eroberung – die ich den »Ersten Algerienkrieg« nenne – war diese Sprache auf Wegen vorgedrungen, die mit Blut, Massakern und Vergewaltigungen befleckt waren.

Sie musste mit ihren eigenen Worten gewissermaßen von innen nach außen gekehrt werden.«

 

Laudator Barbara Frischmuth 

Barbara Frischmuth, geboren 1941 in Altausee (Österreich), studierte Türkisch und Ungarisch und später Orientalistik in Wien. 1966 gründete sie die Grazer Autorenversammlung mit und ist seither als Schriftstellerin und Übersetzerin tätig. Vielfach ausgezeichnet hat sie sich zudem als Kinderbuch- und Hörspielautorin einen Namen gemacht. 1997/1998 war sie zudem Jurorin des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs in Klagenfurt.

 

Bibliographie

»Durst« Roman Aus dem Französischen von Rudolf Kimmig Unionsverlag, Zürich 2002 160 S.

»Der erwiderte Blick« von Elisabeth Arend, Fritz P. Kirsch und Assia Djebar Verlag Königshausen und Neumann, Würzburg 1998 208 S.

»Europas islamische Nachbarn« Studien zur Literatur und Geschichte des Maghreb von Assia Djebar et al., hrsg. v. Ernstpeter Ruhe Verlag Königshausen u. Neumann, Würzburg 1993 232 S.

»Europas islamische Nachbarn« Studien zur Literatur und Geschichte des Maghreb Von Albert Memmi, Assia Djebar und Abdelwahab Boudjedra Verlag Königshausen u. Neumann, Würzburg 1995

»Europas islamische Nachbarn« Studien zur Literatur und Geschichte des Maghreb Verlag Königshausen u. Neumann, Würzburg 2001 214 S.

»Fantasia« Roman Unionsverlag, Zürich 1993 336 S.

»Fern von Medina« Roman Unionsverlag, Zürich 1997 400 S.

»Frau ohne Begräbnis« Roman Aus dem Französischen von Beate Thill Unionsverlag, Zürich 2004 208 S.

»Die Frauen von Algier« Roman Aus dem Französischen von Alxandra von Reinhardt Unionsverlag, Zürich 1999 (6. Aufl. 2001) 192 S.

»Nächte in Strassburg« Roman Aus dem Französischen von Beate Thill Unionsverlag, Zürich 2002 272 S.

»Oran - Algerische Nacht« Roman Aus dem Französischen von Beate Thill Unionsverlag, Zürich 2003 ca. 256 S.

»Die Schattenkönigin« Roman Unionsverlag, Zürich 1991 (9. Aufl. 2001) 224 S.

»Die Ungeduldigen« Roman Aus dem Französischen von Wilhelm M. Lüsberg Unionsverlag, Zürich 2000 268 S.

»Das verlorene Wort« Roman Aus dem Französischen von Beate Thill Unionsverlag, Zürich 2004 256 S.

»Weisses Algerien« Roman Aus dem Französischen von Hans Thill Unionsverlag, Zürich 2000 276 S.

»Weit ist mein Gefängnis« Roman Aus dem Französischen von Hans Thill Unionsverlag, Zürich 2000 284 S.

»Der zerissene Schleier« Das Bild der Frau in der algerischen Gegenwartsliteratur Institut für Kirche und Gesellschaft 1996 236 S.

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