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Wolf Jobst Siedler verstorben

Der Gründer des Siedler Verlags war vier Jahre Mitglied im Stiftungsrat des Friedenspreises


Wider den Strich gedacht
Das Buch, aus dem das nebenstehende Zitat von Wolf Jobst Siedler über den Friedenspreis stammt: "Wider den Strich gedacht", erschienen 2006 im Siedler Verlag.

Der Verleger Wolf Jobst Siedler, der am 27. November im Alter von 87 Jahren verstorben ist, hat sich bereits vor seiner verlegerischen Tätigkeit mit dem Buch, der Buchmesse und sogar mit dem Friedenspreis beschäftigt, wie ein Ausschnitt aus seiner Essaysammlung „Wider den Strich gedacht“ belegt:

„Hat man die ersten Kilometer [auf der Frankfurter Buchmesse] hinter sich gebracht, findet man sich im labyrinthischen Gewirr der Gänge und Treppen schon besser zurecht. Vorn gleich am Eingang sind wie immer die Werke des Friedenspreisträgers in den Erstausgaben zu besichtigen; diesmal ist es Karl Jaspers, dem der Buchhändlerverein den Preis zugedacht hat, und seine Bücher füllen samt den Übersetzungen ins Finnische, Spanische und selbst ins Japanische gleich sechzehn Vitrinen.“
(Aus „Als die Buchmesse noch ein literarisches Ereignis war“ (1958), in: Wolf Jobst Siedler „Wider den Strich gedacht“, Siedler Verlag 2006, S. 16)

Eine kurze, aber bedeutende Rolle hat Wolf Jobst Siedler auch auf andere Weise für den Friedenspreis gespielt. Von 1975 bis 1978 ist der 1926 geborene Berliner als Mitglied des Stiftungsrates mit dafür verantwortlich gewesen, wer in jenen Jahren mit dem Friedenspreis ausgezeichnet wurde. Und das ist mit dem deutsch-französischen Publizisten Alfred Grosser, dem Schriftsteller Max Frisch aus der Schweiz, dem polnischen Philosophen Leszek Kołakowski und der schwedischen Kinderbuchautorin Astrid Lindgren eine äußerst vielstimmige Mischung gewesen: Die von ihnen in der Paulskirche gehaltenen Ansprachen gehören mit zu den am meisten diskutierten Friedenspreisreden.

Wolf Jobst Siedler sagte einmal, wie froh er gewesen sei, seinen eigenen Verlag gegründet zu haben. Auf diesem Wege - als Verleger - habe er mit vielen Menschen, die mit ihren Bücher und ihren Ideen die Kulturlandschaft in Deutschland bereichert hätten, in engen Kontakt treten können. Und er hätte sie sonst nie kennengelernt. Mit den aus diesen Begegnungen gewonnenen Erkenntnissen hat er die Juryarbeit des Stiftungsrats bereichert. Und da er auch nach dieser Tätigkeit im Stiftungsrat dem Börsenverein regelmäßig Vorschläge für den Friedenspreis übermittelt hat, wird er uns auch auf diesem Gebiet sehr fehlen.