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Boualem Sansal im Visier der Islamisten

Auf Internetblogs und in Kommentaren wird der diesjährige Friedenspreisträger wegen seiner kritischen Worte bedroht und diffamiert.


Karikatur Boualem Sansal
© unbekannt

Der für die ZEIT arbeitende Journalist und Publizist Jörg Lau hat sich besorgt über die Situation von Boualem Sansal in seinem Heimatland Algerien geäußert. Auf seinem Blog veröffentlichte er am 10.11.2011 einige Ausschnitte aus einem Gespräch mit dem diesjährigen Friedenspreisträger, in dem dieser betont, wie sehr er und die algerische Demokratiebewegung den Friedenspreis als Bestätigung für ihr Engagement empfinden und dass die Verleihung auch ein Schutz bedeuten könne. „Aber dann hat er mir etwas erzählt, das mich sehr schockiert hat“, schreibt Lau weiter, „und das ich deshalb auch hier weitergeben möchte: Nach der Preisverleihung bei der Buchmesse seien auf Websites der algerischen Islamisten Bilder aufgetaucht, die sein Porträt mit Schläfenlocken ultraorthodoxer Juden zeigen. Er sei ein ‚Zionist‘, werde über ihn verbreitet, und ‚verdiene nicht zu leben‘.“

Einige der Blogs mit der Abbildung, bei der das Wort ‚algerisch‘ durchgestrichen wurde, sind im Internet frei zugänglich und offenbaren die Argumentationskette der Islamisten. So wird Boualem Sansal in einem französischsprachigen Blog als „Boualem la saleté“ (etwa: „Boualem, der Dreck/die Unanständigkeit“) bezeichnet, der anti-islamisch, anti-arabisch und anti-algerisch sei, dabei schlimmer als Ayaan Hirsi Ali, Taslima Nasri und Salman Rushdie handele, mit denen er gemeinsam mit intellektueller Bettelei und mit blasphemischen Äußerungen der „Kosher Nostra“ in die Hände spiele. Durch seine Schriften und Erklärungen, so der Autor, der unter dem Pseudonym wah fikr schreibt, unterstütze Sansal mit Geist und Körper die Lobrede auf die Kanonen und Pfeiler des modernen ‚Talmudismus‘: der Schoah und der jüdische Vorherrschaft: „B. Sansal s'est investi corps et âme, par ses écrits et déclarations, dans l‘éloge des canons et piliers du talmudisme moderne : Shoah et suprématisme juif“ (nachzulesen auf reflexionsetcommentaires.blogspot.com).

Auch deutschsprachige Diffamierungen über Boualem Sansal sind im Internet zu finden, zum Beispiel zu einem Interview mit Sansal, das auf YouTube anzuschauen ist: „Leute wie du werden in Algerien nicht benötigt, Ihr bleibt besser im Ausland als in Algerien. Eure verlogene Maske fängt an zu bröckeln und eurer wahres Gesicht kommt zum Vorschein. Verräter aus Israel“, schreibt dort der algerische Blogger Zebar, der als Beruf „Jäger“ angibt.

Jörg Lau hat Boualem Sansal gefragt, ob er wegen dieser Äußerungen Angst habe. “Ich denke darüber nicht nach. Wenn ich damit anfange, kann ich nicht mehr arbeiten.” Radikale Kritik muss von innen kommen, sonst wirkt sie nicht, so Sansal. Auf seine ausdrückliche Bitte haben wir uns entschieden, das manipulierte Bild zu veröffentlichen, damit, so Sansal, "les gens voient comment se comportent ces malades".